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Zur Geschichte des Kepler-Gymnasiums - 3. Die Schule und ihre Lehrer zu Beginn der Neuzeit

  

3. Die Schule und ihre Lehrer zu Beginn der Neuzeit

 

Lateinschulen stehen in einer sehr alten Tradition, und ebenso das Klagen der Lehrer und das Klagen über Lehrer; da bringen weder die Tageszeitungen noch der SPIEGEL18 mit ihrer unablässigen Schul- und Lehrerschelte absolut nichts Neues. Ich möchte hier nur zwei Aussagen aus alter Zeit über das Ansehen der Lehrer wiedergeben, wie es in satirischen Texten dargestellt ist, und anders können auch die aktuellen Äußerungen kaum gelesen werden.

 

Im Jahre 1494 erschien in Basel eine Sammlung närrischer Momentaufnahmen unter dem Titel „Das Narren schyff.“ Sein Verfasser ist der in Straßburg geborene Humanist Sebastian Brant. Unter den vielerlei Hieben gegen alle Schichten der damaligen Gesellschaft dürfen natürlich auch Ausfälle gegen Lehrer, Schüler, Eltern nicht fehlen.

 

Unter der Überschrift Von rechter Kinderlehre weist Brant vor allem darauf hin, dass üblicherweise an Ausbildung und Schule gespart werde. Er zeigt, dass für Persönlichkeiten früherer Zeiten gerade die allerbesten Lehrer gut genug sein konnten. Der „größte[.] König in der Welt“ – gemeint ist hier Alexander der Große – hatte Aristoteles als Lehrer, dessen Lehrer wiederum war Plato, und dieser hatte bei Sokrates gelernt.

Heute allerdings, meint Brant, ist alles ganz anders:

Jedoch die Väter unsrer Zeit,

Die gehen blind vor Geiz so weit

Und nehmen solchen Lehrer schon,

Der ihnen zum Narren macht den Sohn

Und schickt ihn wieder heim nach Haus

Noch närrischer, als er kam daraus.

Drum ist zu wundern nichts daran,

Wenn närrische Kinder ein Narr gewann.“19

 

Noch schärfer beschreibt Erasmus von Rotterdam (1466 – 1536) in der „Laus Stultitiae“, die, 1511 veröffentlicht, dem Kollegen und Freund Thomas Morus (1478 – 1535) gewidmet ist, durch den Mund der allzeit redenden Göttin Stultitia – Torheit die Schulmeister20:

Ad eos accingar, qui sapientiae speciem inter mortales tenent, et aureum illum ramum, ut aiunt, aucupantur, inter quos Grammatici primas tenent, genus hominum profecto, quo nihil calamitosius, nihil afflictius, nihil aeque Diis invisum foret, nisi ego miserrimae professionis incommoda dulci quodam insaniae genere mitigarem.

Neque enim [ ... ] quinque tantum diris obnoxii sunt isti, [ ... ] verum sexcentis: ut qui semper famelici, sordidique in ludis illis suis; in ludis dixi, immo in [ ... ] pistrinis potius ac carnificinis inter puerorum greges, consenescant laboribus, obsurdescant clamoribus, foetore paedoreque contabescant; tamen meo beneficio fit, ut sibi primi mortalium esse videantur.

Adeo sibi placent, dum pavidam turbam, minaci vultu voceque territant: dum ferulis, virgis, lorisque conscindunt miseros,21 dumque modis omnibus suo arbitratu saeviunt, asinum [in pelle leonis] imitantes. [ ... ]

Sed longe etiam feliciores sunt, nova

quadam doctrinae persuasione. [ ... ] Mera deliramenta pueris

inculcant, tamen, Dii boni, [ ... ] nescio quibus praestigiis mire

efficiunt, ut stultis materculis et idiotis patribus tales videantur, quales ipsi se faciunt.

[ ... ]22

 

Während des Mittelalters war Latein diejenige Sprache, die zu erlernen damals ebenso mühselig war wie heute23. Heute wie damals erleben die Präceptores Erfolge und Enttäuschungen, freuen sich über ihre Schüler – heute auch Schülerinnen – und zeigen dies auch, oder sie behalten nach Möglichkeit für sich, was in des Erasmus Darstellung der Lehrer tobend auslebt. Im Gegensatz zu heute war Latein damals die Sprache, die Freizügigkeit in Europa ermöglichte, war die Sprache des internationalen Handels, der Wissenschaft, der Kirche, und so musste, wer studieren und Karriere machen wollte, zu allererst Latein beherrschen.