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Zur Geschichte des Kepler-Gymnasiums - 5. Unterrichtsmaterialien

 

5. Unterrichtsmaterialien

 

Um diese Ziele zu erreichen, standen den Präceptoren nur bescheidene Unterrichtsmittel zur Verfügung. Vor der Zeit des Buchdrucks war es so, dass lediglich ein Exemplar eines Buches vorhanden war, aus dem der Lehrer vorlas und nachsprechen ließ, bis die Worte im Gedächtnis der Schüler verhaftet waren, oder diktierte, vorausgesetzt, die Kinder konnten sich so etwas Wertvolles wie Hefte leisten. Sodann mussten die Kinder Merksätze auswendig lernen, die sie unter anderem auch disziplinäre Maßnahmen annehmen ließen.

 

So lässt etwa in einem Dialog der französische Humanist Maturinus Corderius (1479 – 1564) zwei Zöglinge einer Lateinschule darüber sprechen, warum der Vater des einen so oft die Anstalt aufsucht. Er will nämlich, dass sein Sohn mit Sorgfalt erzogen werde: „Cupit me diligenter erudiri.“ Und dazu muss der Junge eben auch geschlagen werden. Er muss dies durch einen lateinischen Dialog verinnerlichen, diesen auswendig lernen und immer wieder aufsagen: „Patienter ferenda est poena, praesertim iusta.38“ Zu guter Letzt wird diese Ansicht autorisiert mit einem Zitat aus den „Disticha Catonis“, einem Schulbuch der Humanistenzeit: „Quod merito pateris, patienter ferre memento.“39

 

In einem anderen Dialog sprechen zwei Schüler darüber, welche – mittlerweile gedruckten – Schulbücher sie besitzen. Der eine zählt auf: Grammatikbuch, eine Sammlung „Schülergespräche“, Komödien des Terenz, Ciceros Briefe mit deutschen Erläuterungen, Lehrsätze Catos, ein lateinisches Wörterbuch, ein Neues Testament deutsch, die Psalmen nebst Katechismus, außerdem ein Notizbuch, um die Diktate des Lehrers mitzuschreiben. Der andere hat dieselben Bücher zur Verfügung, erklärt aber, dass er die antiken Ausgaben nicht brauche, „qui non praeleguntur in classe nostra.“40 Doch sein Schulfreund schwingt sogleich die moralische Keule: „Ego, dum sumus otiosi, lego interdum illos, ut semper aliquid addiscam novi, praesertim in lingua Latina et honestis moribus.“41 Lateinische Autoren sind also dazu da, dass sie moralische Orientierung bieten und Rezepte für anständige Lebensführung.42

 

Diese beiden Beispiele werfen ein Licht auf die Unterrichtsmethoden der alten Lateinschulen. Alles musste auswendig gelernt werden, und als Schulung in den Bereichen Rhetorik und Dialektik dienten die sogenannten „Schülergespräche“ – wie sie auch Erasmus von Rotterdam für den Schulgebrauch verfasste – und die Komödien des Terenz. Jene orientieren sich an Geschehnissen aus dem Schulalltag oder greifen Familiensituationen auf und dialogisieren sie, die Komödien vermitteln Schlagfertigkeit in verzweifelter Lage und geschliffenen Witz. In der Wechselrede üben die Schüler Phrasen und Floskeln ein, die es ihnen Schritt für Schritt ermöglichen Aussagen zu verknüpfen, Argumente und Gegenargumente zu bilden und schließlich selber eine dialektische Erörterung, in der Standpunkte und Gegenstandpunkte formuliert werden müssen, zu gestalten. Die Inhalte zu solchen Erörterungen sind in der Regel den antiken Quellen entnommen, die Erörterungen selbst sind standardisiert.

 

Damit die Bildungsarbeit möglichst effektiv geschehen kann und um die Freizügigkeit von Eltern und Schulkindern – die, nebenbei gesagt, im Deutschland des Jahres 2004 wegen des unseligen Bildungsföderalismus‘ nicht gewährleistet ist – zu garantieren, erlässt der Herzog in der Kirchenordnung auch eine Schulbuch-Verordnung:

 

Wölche Biecher in der Schuol gelesen sollen werden.

 

Auff das nun die Knaben / mit andern Buechern nit beladen / noch jre Eltern mit vil Buecher zuokauffen beschwerdt werden / darzuo die Schuolmeister mit den Examinibus un[nd] progressionibus / so jaerlich in allen Schuolen gehalten / jres thuons dest richtiger moegen antwort geben / Oder so die Knabe[n] von einer Schuol in die andern gefürdert / mit ungleicheit der Buecher nit jrr gemacht. So sollen fürohin in allen Schuolen nun einerley Buecher / un[d] kein anders / dann die in dieser unser Ordnung hernach verzeichnet / gelesen / die auch keins wegs verendert / sonder zuo bestimbter zeit außgelesen / und nachmals vornen wider angefangen werden.43

 

Man halte fest: an allen Schulen des Landes werden die gleichen Bücher verwendet; in allen Schulen des Landes werden die gleichen Unterrichtsstoffe in den gleichen Unterrichtsphasen gelehrt, und es ist nicht nötig, ständig die Materialien auszutauschen, nur weil nachgekaufte Bücher einen anderen Satzspiegel aufweisen als den, den der Altbestand hat.