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Von der Württembergischen Kirchenordnung
zum Biberacher Modell

400 Jahre Lateinschule (1604 - 2004)

(überarbeitete Fassung von 2009)

von Albrecht Lörcher

 

 

Dan recht Schuol halten erfordert /das der Præceptor unverdrossen sey. (Große Württembergische Kirchenordnung 1559)

 

 


  

 

 

1. Einleitung

 

Niemals mehr, klagte im Sommer 1963 der Historiker und verdienstvolle Lehrer des Kepler-Gymnasiums Freudenstadt, Oberstudienrat Dr. Hans Rommel,1 werde es möglich sein, eine Geschichte der höheren Schulen Freudenstadts zu verfassen. Der gesamte Aktenbestand der Freudenstädter Lateinschule, der in Stuttgart aufbewahrt worden war, verbrannte 1944. Ebenso wurden die Unterlagen der Realschule vernichtet, die 1944 aus dem Gebäude der Kepler-Schule in der Stuttgarter Straße ausgeräumt werden mussten. Als dann im April 1945 Freudenstadt brannte, ging auch dieser Teil der Schulgeschichte verloren.

Immerhin ist noch so viel Interessantes erhalten, dass ein Abriss über 400 Jahre Lateinschule in Freudenstadt möglich ist. So hat etwa der erste Schulleiter der Oberschule in der Stuttgarter Straße, Herr Oberstudiendirektor Dr. Richard Fener, im Jahre 1937 den Anfängen der Realschule nachgespürt und manches Interessante zusammengetragen, was auch ein Licht auf die damalige Lateinschule wirft.

Weiteres für unser Thema Interessantes bietet die Festschrift, die damals, 1930, herausgegeben wurde, als „Der Neubau des Realgymnasiums und der Oberrealschule in Freudenstadt“2 eingeweiht wurde. Sie enthält Beiträge, in denen die Verfasser sich zurückerinnern an die früheren Schulverhältnisse, wie sie sie noch kannten und erlebten. Vollends nostalgisch für uns klingt es dann, wenn in der Festschrift zur Einweihung unserer heutigen „Keplerschule Freudenstadt“3 in der Nordstadt der ehemalige Landesbischof Dr. Martin Haug seiner Schulzeit in der Lateinschule hinter der Stadtkirche gedenkt. So entsteht aus persönlichen Erinnerungen, die von heute aus betrachtet 100 Jahre und mehr zurückreichen, ein farbiges Bild einer Kleinschule in einem Landstädtchen.

Und wenn man noch weiter zurück will zum Anfang der Lateinschule und in die Gründungszeit der Stadt Freudenstadt, so gibt es da zwar keine Dokumente zum lokalen Schulleben, aber es ist nicht schwierig, über historische Rückblicke und zeitgenössische Parallel - Zeugnisse Verbindungen zu den Schul- und Bildungsverhältnissen zu ziehen, wie sie in der neuen Stadt vor 400 Jahren – möglicherweise – herrschten.

 

Auf jeden Fall ist so viel Material vorhanden, dass es keine Schwierigkeiten bereitet, 400 Jahre Schulgeschichte in einigen Viertelstunden zuammenzufassen und einen Bogen zu spannen von den Anfängen einer Schule in Freudenstadt bis zu dem, was das Kepler-Gymnasium heute repräsentiert. Ganz aktuell hat sich ja kürzlich4 zu diesem Anlass Gerhard Hertel in den Freudenstädter Heimatblättern geäußert.

 

Ich bin freilich überzeugt, dass dem, der zu suchen anfängt, in alten Zeitungsbänden, Privataufzeichnungen noch vielerlei in die Hände fallen kann, vor allem über die Verhältnisse und Zustände des vergangenen Jahrhunderts, das ich hier und heute weitestgehend aussparen will, zumal mancherlei darüber in verschiedenen Veröffentlichungen von Gerhard Hertel nachgelesen werden kann. Deshalb ist diese Zusammenstellung nur als Einstieg zu verstehen. Wer sich berufen fühlt, Weiteres aufzuspüren und diesen Ausführungen hinzuzufügen, mag dies durchaus tun.

 

Dem Anlass entsprechend werde ich das Hauptgewicht der Darstellung also auf die Lateinschule legen. Das heißt, Entstehen und Werden der Realanstalt, Realschule, Oberrealschule und des Realgymnasiums bis hin zur Kepler-Oberschule und zum Kepler-Gymnasium werden hier nur insofern gestreift, als solche Hinweise im Zusammenhang mit der Lateinschule wesentlich sind, zumal zum Lateinbetrieb in der Kepler-Oberschule mancherlei bei Gerhard Hertel nachgelesen werden kann.

 

 


  

2. Die Anfänge der lateinischen Schule in Freudenstadt

 

Gehen wir zusammen also ein wenig in die Vergangenheit zurück: Der Wald über dem Christophstal ist seit 1599, seit fünf Jahren also, gerodet, und jetzt entwickelt sich entlang der abgesteckten Baulinien aller Reihen5 auf den vorgesehenen Parzellen rege Bautätigkeit. Auch die Schlosskirche mit ihrem seltsamen Grundriss wächst in die Höhe. Wie es sich für eine moderne Stadt gehört, wird seit 1602 das Einkaufszentrum, ebenfalls ein über das Eck errichtetes Gebäude, das wir heute den Schickhardt-Bau nennen, aufgeführt. Die Bevölkerung wächst rasch, im August 1602 sollen bereits 80 Häuser gestanden haben, im Februar 1603 wohnten etwa 220 Bürger, also Haushaltsvorstände, in Freudenstadt, was auf ungefähr 1000 Einwohner hinweist. Und bis 1609 muss sich die Einwohnerzahl verdoppelt haben.6 Eine Schule war also angebracht und nötig.

 

Aber man muss sich vor Augen halten: Die Stadt, die Heinrich Schickhardt auf Befehl seines Fürsten, des Herzogs Friedrich I von Württemberg, zu planen und auf völlig ungeeignetem Gelände zu errichten hatte, berücksichtigte nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung. Die langen, geraden, aber nicht befestigten Straßen zwi-schen den Häuserreihen machten Gärten, Ställe für Tiere, Gewerbeflächen, Werkstätten weitestgehend unmöglich oder doch deren Einrichtung sehr schwierig.

 

Die Stadt war entworfen als Idee, als vollkommener Kosmos, als Harmonieder Maße, als geometrisches Spiel, als politische Demonstration und Modell des Absolutismus, aber nicht als Ort zum Wohnen und Arbeiten.7

 

Auf den Plänen sah die Anordnung der Häuser ideal aus.8 Aber wenn der Schnee von den Dächern rutschte, sich zwischen den Häusern staute und die Mauern auskühlte, sie feucht und schimmelig machte, wenn er langsam schmolz, da ja die Sonne in diese engen Winkel kaum hineindrang – dann zeigte sich, dass die Wohn- und Lebensqualität in den keinesfalls wärmegedämmten Fachwerkhütten erbärmlich war. Und so war es auch noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts:

 

So schön sich die Anlage der Stadt auf dem Grundrisse ausnimmt, so unzweckmäßig erscheint sie bei näherer Prüfung in der Wirklichkeit, indem nur die auf dem Marktplatze stehenden Wohngebäude eine freie Aussicht bieten, während die Bewohner der hinteren Häuserreihen die mit Cloaken versehenen Hinterseiten der Vorderhäuser im Auge haben, wozu noch der weitere Uebelstand kommt, daß die wegen Mangels an Hofräumen hinter den Häusern auf der Straße angebrachten Düngerstätten die wünschenswerte Reinlichkeit der Ortsstraßen beinahe unmöglich machen. Die Straßen sind mit wenigen Ausnahmen seit 1825 gepflastert.

Die meist mit steinernen Unterstöcken versehenen, in den übrigen Theilen aus Holz erbauten Gebäude, welche beinahe durchgängig nur 4 Fuß weit von einander abstehen, sind sämmtlich mit der schmalen Giebelseite gegen den Marktplatz und die Straßen gekehrt und haben eine gleiche, an Architektur arme Bauart und häufig dieselbe Größe, was dem Ganzen eine drückende Eintönigkeit gibt. Die Bedachung besteht aus Ziegelplatten, und die Wände, wenigstens die auf der Wetterseite, sind mit wenigen Ausnahmen verschindelt. Die um den Marktplatz stehenden Gebäude haben in den unteren Stockwerken auf Rundbögen ruhende Arcaden, so daß man bei nasser Witterung trockenen Fußes um den ganzen Marktplatz kommen kann, was besonders in schneereichen Wintern von wesentlichem Vortheil ist. Dagegen wird den zurückstehenden unteren Stockwerken dieser Gebäude der Zutritt des nöthigen Lichts, wie der Sonne versagt und überdieß sind die über den Arcaden angebrachten Gelasse des zweiten Stockwerks kalt, indem die Böden derselben frei über den Arcaden ruhen. In den 4 Ecken des Marktplatzes standen ursprünglich 4 im Winkelhacken erbaute Hauptgebäude: die Kirche, das Kaufhaus, das Rathhaus und der Spital, welch letzterer, nachdem ihn der Brand von 1632 verzehrt hatte, nicht wieder aufgebaut wurde.“9

 

Diese Beschreibung von Freudenstadt stammt aus einer völlig unverdächtigen Quelle, nämlich aus der königlichen Oberamtsbeschreibung von 1858.

 

In dieser Stadt waren also wohl kaum Reichtümer zu gewinnen, zumal auch die Ausbeute der Bergwerke im Christophstal mehr als dürftig war. Damit ist auch klar, dass ein Lehrer, ein Präceptor, in Freudenstadt auf eine eher karge Entlohnung in Geld und Naturalien rechnen durfte, dass am Schulgebäude selbst und an der Unterrichtsausstattung gespart wurde und dass die Kinder wohl eher unregelmäßig zur Schule gingen, da sie zu Hause und im Wald gebraucht wurden.

 

Die lateinische Schule hat im Jahr 1603 ihren Anfang genommen.“10 D. h.: in diesem Jahr wurde das Gebäude fertiggestellt und von der deutschen Schule, also der Elementarschule, bezogen. Im Jahr darauf, 1604, nahm der erste Lehrer der lateinischen Schule seine Arbeit auf. Er blieb fünf Jahre.11

 

Dieser Zeitraum ist auffällig. Herzog Friedrich starb 1608, sein Sohn Johann Friedrich aber gab das Projekt Freudenstadt sogleich auf. Nicht errichtet wurde das Schloss, nicht begab sich die herzogliche Familie samt Hofstaat in die neue Stadt, nicht also bestand die Chance, dass Kinder aus Familien mit intellektuellem politischem, iuristischem, militärischem, theologischem Hintergrund die neue Schule besuchen würden. Es war plötzlich kein wirklicher Bedarf mehr da für eine lateinische Schule, wie sie in einer Landeshauptstadt wie Stuttgart oder einer Universitätsstadt wie Tübingen einfach selbstverständlich war und auch in einer Residenzstadt Freudenstadt mit ungefähr 3500 Einwohnern12 hätte selbstverständlich werden können. Als sich die Voraussetzungen, unter denen Präceptor Johann Matthiä sein Amt angetreten hatte, so plötzlich und unerwartet änderten, mag er sich gedacht haben: Hier zu bleiben hat keinen Sinn, ich will mir einen Arbeitsplatz suchen, an dem ich bessere Chancen und Bedingungen habe.

 

Eingerichtet wurde diese Schule im Eckgebäude, wo die heutige Schulstraße und die Schickhardtstraße aufeinandertreffen.13 Man kann nun fragen: Warum in dieser Ecke? Welche Notwendigkeit diktierte es, die Schule, die an jeder beliebigen anderen Stelle der Stadt hätte eingerichtet werden können, gerade in diesen Winkelzu setzen?14 Die anderen öffentlichen Gebäude, die dem Nutzen der Stadt dienen sollten, befanden sich ja in der ersten Reihe oder sollten dort noch gebaut werden: Kirche, Kaufhaus und Magazin, Rathaus, Spital. Auch hier folgt Schickhardt den Gesetzen der „Ordnung“15 und der Funktionalität: Eine Stadt ist dann gut angelegt, selbst Freudenstadt, wenn ihre Teile sich zum Wohl der Einwohner zusammenfügen. Nach funktionalen Überlegungen sind Kirche und Schule also einander zugeordnet; Schule und Kirche haben einander funktional zu ergänzen, Gottesdienst ohne Stützung durch die Schule ist nicht denkbar. So enthielt das Schulhaus nicht nur einen Schulraum, sondern auch die Wohnungen des evangelischen Geistlichen und des Präceptors. Pfarrer und Lehrer befinden sich also in unmittelbarer Nähe zu ihrem Dienstort, denn der Lehrer hat den musikalischen Dienst im Gottesdienst zu versehen und mit den Schulkindern zu singen.

 

Die Wirklichkeit allerdings setzte diese abstrakte Planung wieder zurecht. Gedankliche Perfektion und gebaute Realität haben im Freudenstadt des frühen 17. Jahrhunderts nichts miteinander zu tun.16 Die Räume der Dienstwohnungen müssen so armselig gewesen sein, dass sie noch in der Oberamtsbeschreibung von 1858 als „Wohngelasse“17 beschrieben werden.

 

 


  

3. Die Schule und ihre Lehrer zu Beginn der Neuzeit

 

Lateinschulen stehen in einer sehr alten Tradition, und ebenso das Klagen der Lehrer und das Klagen über Lehrer; da bringen weder die Tageszeitungen noch der SPIEGEL18 mit ihrer unablässigen Schul- und Lehrerschelte absolut nichts Neues. Ich möchte hier nur zwei Aussagen aus alter Zeit über das Ansehen der Lehrer wiedergeben, wie es in satirischen Texten dargestellt ist, und anders können auch die aktuellen Äußerungen kaum gelesen werden.

 

Im Jahre 1494 erschien in Basel eine Sammlung närrischer Momentaufnahmen unter dem Titel „Das Narren schyff.“ Sein Verfasser ist der in Straßburg geborene Humanist Sebastian Brant. Unter den vielerlei Hieben gegen alle Schichten der damaligen Gesellschaft dürfen natürlich auch Ausfälle gegen Lehrer, Schüler, Eltern nicht fehlen.

 

Unter der Überschrift Von rechter Kinderlehre weist Brant vor allem darauf hin, dass üblicherweise an Ausbildung und Schule gespart werde. Er zeigt, dass für Persönlichkeiten früherer Zeiten gerade die allerbesten Lehrer gut genug sein konnten. Der „größte[.] König in der Welt“ – gemeint ist hier Alexander der Große – hatte Aristoteles als Lehrer, dessen Lehrer wiederum war Plato, und dieser hatte bei Sokrates gelernt.

Heute allerdings, meint Brant, ist alles ganz anders:

Jedoch die Väter unsrer Zeit,

Die gehen blind vor Geiz so weit

Und nehmen solchen Lehrer schon,

Der ihnen zum Narren macht den Sohn

Und schickt ihn wieder heim nach Haus

Noch närrischer, als er kam daraus.

Drum ist zu wundern nichts daran,

Wenn närrische Kinder ein Narr gewann.“19

 

Noch schärfer beschreibt Erasmus von Rotterdam (1466 – 1536) in der „Laus Stultitiae“, die, 1511 veröffentlicht, dem Kollegen und Freund Thomas Morus (1478 – 1535) gewidmet ist, durch den Mund der allzeit redenden Göttin Stultitia – Torheit die Schulmeister20:

Ad eos accingar, qui sapientiae speciem inter mortales tenent, et aureum illum ramum, ut aiunt, aucupantur, inter quos Grammatici primas tenent, genus hominum profecto, quo nihil calamitosius, nihil afflictius, nihil aeque Diis invisum foret, nisi ego miserrimae professionis incommoda dulci quodam insaniae genere mitigarem.

Neque enim [ ... ] quinque tantum diris obnoxii sunt isti, [ ... ] verum sexcentis: ut qui semper famelici, sordidique in ludis illis suis; in ludis dixi, immo in [ ... ] pistrinis potius ac carnificinis inter puerorum greges, consenescant laboribus, obsurdescant clamoribus, foetore paedoreque contabescant; tamen meo beneficio fit, ut sibi primi mortalium esse videantur.

Adeo sibi placent, dum pavidam turbam, minaci vultu voceque territant: dum ferulis, virgis, lorisque conscindunt miseros,21 dumque modis omnibus suo arbitratu saeviunt, asinum [in pelle leonis] imitantes. [ ... ]

Sed longe etiam feliciores sunt, nova

quadam doctrinae persuasione. [ ... ] Mera deliramenta pueris

inculcant, tamen, Dii boni, [ ... ] nescio quibus praestigiis mire

efficiunt, ut stultis materculis et idiotis patribus tales videantur, quales ipsi se faciunt.

[ ... ]22

 

Während des Mittelalters war Latein diejenige Sprache, die zu erlernen damals ebenso mühselig war wie heute23. Heute wie damals erleben die Präceptores Erfolge und Enttäuschungen, freuen sich über ihre Schüler – heute auch Schülerinnen – und zeigen dies auch, oder sie behalten nach Möglichkeit für sich, was in des Erasmus Darstellung der Lehrer tobend auslebt. Im Gegensatz zu heute war Latein damals die Sprache, die Freizügigkeit in Europa ermöglichte, war die Sprache des internationalen Handels, der Wissenschaft, der Kirche, und so musste, wer studieren und Karriere machen wollte, zu allererst Latein beherrschen.

 

 

 


  

4. Die Große Württembergische Kirchenordnung 1559 als Grundlage für die Arbeit an den Lateinischen Schulen

 

Die Reformation in Württemberg, die durch Johannes Brenz und den Herzog Christoph zum Abschluss gebracht und in der Großen Kirchenordnung von 155924für alle Zeiten gefestigt wurde, machte nun die Bildung vor allem zur Sache der Städte und des Staates. Auf ungefähr 80 Blättern, also ca. 160 Seiten wird im Auftrag des Herzogs bis

in die kleinsten Einzelheiten genau festgelegt, was zu welcher Zeit mit welchen Lehrbüchern den Kindern sowohl in der lateinischen als auch in der deutschen Schule beigebracht werden muss.25

 

Da die lateinischen Schulen nun dafür bestimmt waren, an der Basis für das Herzogtum die Führungsschicht heranzubilden, waren diese Standards zur Sicherung der Qualität unabdingbar. Freilich standen sie zuallererst auf dem Papier; ob und wie sie umgesetzt werden konnten, entschied sich jeweils vor Ort.

 

Der Herzog legte vor allem fest, dass „in allen und jeden Stetten / die seien groß oder klein / deßgleichen etlichen den fürnembsten Doerffern oder Flecken unsers Fürstenthumbs latinische Schuolen und darzuo taugenliche Præceptores gehalten werden“26 sollten. Gleichfalls ließ der Herzog überall deutsche Schulen einrichten, in denen „nit allein die Knaben / sonder auch Doechterlin zuor Schuol geschickt“27 wurden, allerdings durften Mädchen und Jungen nicht zusammen unterrichtet werden. Es heißt ausdrücklich in der Kirchenordnung: „Und der Schuolmeister keins wegs gestatte / under einander zuolauffen / oder mit einander unordenliche Gemeinsame zuohaben / und zuosamen zuoschlieffen.“28 – In der Lateinschule sollten die Präceptoren dergleichen Sorgen noch lange nicht haben.

 

Wer an einer lateinischen Schule unterrichten wollte, musste zunächst von der städtischen Verwaltung dem Kirchenrat in Stuttgart gemeldet werden. Dort wurde der Kandidat auf Herz und Nieren geprüft. Er musste Zeugnisse vorlegen, die seine bisherige Lehrtätigkeit nachwiesen, sein Lebenswandel durfte zu keinen Beanstandungen Anlass geben, und er musste natürlich „der Augspurgischen / unnd Unser Confession“29 angehören. Nach Ablegen einiger Lehrproben, in denen er vor allem seine Kompetenz „sonderlich in der Grammatic“30 nachweisen musste, konnte der Bewerber überwiesen werden an die Gemeinde, in der er Dienst tun wollte. Dort wurde er auf die „Schulordnung“ vereidigt.

 

Es ist nun nicht uninteressant zu lesen, wie die Beschreibung des Dienstes für einen Lehrer damals im Jahr 1559 ausgesehen hat:31

Næmlich das er sich / [ ... ] / zů Hertzen fassen / und bedencken wœlle / das sein Dienst / ein hoch / theür / unnd von Gott geordnet Ampt / und mittel seie / die Kinder mit der Lehr / un[d] Gottsforcht / zů erhaltung des Predigampts und gůtten Regiments / anzůnemen.

Darnach woelle und solle er / vermittelst Gœttlicher Gnaden / die Schůl / so jme bevolhen / mit trewem fleiß regieren / und der Jugent / mit einem züchtigen / erbarn / nuechtern Leben vorsteen / und sie in jeder Classe / [ ... ] von den ersten elementis an / mit jren assignierten institutionibus, præceptis und authoribus / zů allen Stunden / dieser unser Schůlordnung nach / trewlich underrichten / und leeren / dz man jeder zeit bey der Jugent / seinen fleiß scheinbarlich befinde / [...] / und fürnæmlich die Grammatic / als das nœtigst Stuck / für und für treiben und ueben / damit die Knaben / gůtte und gewissen Grammatici werden.

Das er auch mit den Schůlern / so ettwas in der Grammatic bericht / lateinisch rede / un[d] sie dasselb also zůreden / gewehne.“

 

Damit die lateinischen Schulen nun auch Akzeptanz bei der Bevölkerung finden sollten, also möglichst regelmäßig möglichst viele qualifizierte Schüler an die weiterführenden Institutionen „zuo erhaltung des Predigampts und guotten Regiments“ abgeben konnten, versuchte man eine Steuerung über das Schulgeld. Der Besuch der Lateinschule war deshalb um vieles günstiger als der der deutschen Schule. Es wurde nämlich verordnet, „das ein Knab / so latine lernt / nit über vier kreützer / aber einer so Teütsch lernen will / jede Fronfasten fünff Schilling zuo schuolgelt gebe.“32

 

Wir können uns zunächst unter diesen Summen nichts vorstellen. Aber wenn wir uns klar machen, dass das Münzsystem des 16. Jahrhunderts immer noch auf dem Pfund Karls des Großen beruhte und denselben Aufbau hatte wie die britische Währung vor Einführung des Dezimalsystems 1971, wird es einfacher. Demnach entsprach ein Gulden zwanzig Schilling zu je 12 Pfennig. Und 12 Pfennig waren 3 Kreuzer.33

Zu den „Fronfasten“, also alle Vierteljahr, nämlich im März, Juni, September und zu Weihnachten,34 musste das Schulgeld bezahlt werden. Wenn wir die in der Kirchenordnung aufgeführten Beträge nun auf einen gemeinsamen Nenner bringen, sehen wir, dass die Eltern eines Lateinschülers 4mal 4 Kreuzer zu bezahlen hatten: 16 Kreuzer oder 64 Pfennig. Die Eltern eines Kindes, das in die deutsche Schule ging, hatten ungleich mehr zu bezahlen; sie mussten 4mal 5 Schilling, also 20 Schilling oder 1 Gulden im Jahr aufbringen; das sind 240 Pfennig, d. h. knapp das Vierfache! Bei der hohen Kinderzahl in der Vergangenheit war der Schulbesuch eine ebenso ruinöse Angelegenheit für die Familien, wie es heute noch z. B. in Amerika oder England der Fall ist.

 

Durch eine weitere Maßnahme sollte es der Bevölkerung schmackhaft gemacht werden, ihre Buben in die Lateinschule zu geben: sie hatten schon ab der vierten Klasse in der örtlichen Schule Chancen auf finanzielle Förderung, für die übrigen Jahre der akademischen Ausbildung konnten sie ein Stipendium des Herzogs bekommen und kostenfrei bis zu einer mehr oder weniger einträglichen Anstellung lernen und studieren.35

 

Die katholischen Klöster waren ja nach der Reformation in Württemberg aufgehoben worden, darunter Maulbronn, Bebenhausen, Alpirsbach, Blaubeuren, Hirsau und noch neun andere, und sie bildeten das Kirchengut des evangelischen Staates. Anstatt der Mönche wurden in diesen Klöstern nun Buben untergebracht, im Alter von 12 – 16 Jahren, die dort auf das Studium in Tübingen vorbereitet wurden. Damit die Kinder aber einen vom Staat finanzierten Stipendiumsplatz in einem solchen Kloster erhalten konnten, mussten sie auf dem Pädagogium in Stuttgart das Landexamen ablegen36, dabei bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten unter Beweis stellen – und eben diese Fähigkeiten und Kenntnisse hatten die Lateinschulen zu vermitteln. Wer fleißig lernte, hatte die Chance auf ein Studium, das ihm aus dem Kirchengut finanziert wurde, und der Herzog hatte damit die Gewähr, dass qualifiziert ausgebildete und dem Staat verpflichtete Männer in Kirche, Schule und Verwaltung zur Verfügung standen. Dieses System der Begabtenförderung war damals und noch für lange Zeit ohne Beispiel.

 

Viele bedeutende Persönlichkeiten in Württemberg sind auf diesem Bildungsweg gefördert worden. Als ersten möchte ich Johannes Kepler nennen. Er besuchte die Lateinschule in Leonberg, legte 1583 im Alter von 12 Jahren das Landexamen in Stuttgart ab, wurde 1584 im aufgehobenen Kloster Adelberg bei Göppingen aufgenommen, zwei Jahre später in Maulbronn und begann 1589 mit dem Theologiestudium in Tübingen. – Wie es mit Johannes Kepler weiterging, sollten alle die wissen, die eine Schule besuchen, welche nach ihm benannt ist.

Den gleichen Bildungsweg sind so bekannte Persönlichkeiten gegangen wie der Heilbronner Physiker Robert Mayer, die Schriftsteller und Dichter Hermann Hesse, Friedrich Hölderlin, Eduard Mörike, unendlich viele Pfarrer, darunter der in Freudenstadt wohlbekannte ehemalige Landesbischof Dr. Martin Haug, Juristen, Pädagogen, darunter mein Vorgänger am Kepler-Gymnasium Hans Martin Breyer – und ich auch.

 

Dem Landexamen also musste die Lateinschule zuarbeiten. Ein Präceptor einer Lateinschule musste demnach vor allem eines beherrschen: Latein.- Und wenn nun heute so getan wird, als seien Standards und Evaluation etwas umwerfend Neues, so sei noch einmal daran erinnert, dass Qualitätssicherung eine gute alt-württembergische Tradition hat: die Schule, die regelmäßig ihre Schüler in das Landexamen schickte, erfüllte die Standards, war angesehen, bekam ausgebildete und qualifizierte Präceptoren, der Präceptor aber, der nicht in der Lage war, von Zeit zu Zeit einen Zögling nach Stuttgart zu schicken oder dessen Schüler den Anforderungen nicht gewachsen waren, fristete ein doppelt kümmerliches Dasein. Ihm und seiner Schule fehlte das Ansehen sowohl bei der Behörde als auch bei der Bevölkerung in der Stadt und seine Entlohnung aus dem Schulgeld war entsprechend dürftig. Denn was auf der einen Seite so familienfreundlich wirkt, ist eine Katastrophe für den lateinischen Lehrer. Ohnedies unterrichtet er weitaus weniger Schüler als sein deutscher Kollege - dieser ist laut Kirchenordnung der Mesner der Kirche; wenn er lesen und schreiben kann, darf er deutsche Schule halten - er hat auch weitaus geringere Einkünfte aus dem Schulgeld. Und wenn sich herumspricht, dass seine Schüler nicht in der Lage sind, den Anforderungen des Landexamens zu genügen, werden sich die Schülerzahlen weiterhin an der untersten Grenze bewegen.

 

Nach allem, was wir wissen,37 gehörte die Lateinschule in Freudenstadt zu den armseligen. In Freudenstadt wurde der Präceptor nicht nur dafür verwendet, dass er den Buben Latein beibrachte, er musste auch noch als Musikdirektor und Organist tätig sein, die Gottesdienste mit Gesang versehen und alle kirchlichen Aktivitäten wie Hochzeiten oder Beerdigungen musikalisch betreuen. Dass hier ständige Konflikte entstanden zwischen Unterricht und sonstigen Verpflichtungen, ist klar, häufig hat wohl die Klasse auf ihren Lehrer verzichten müssen.

 

Wenn es – wie auch in Freudenstadt – in einer Stadt eine Elementarschule oder deutsche Schule gab, war dem Lehrer der Lateinschule keineswegs geholfen. Denn es konnten ja weder die wenigen Kinder, die den Weg zu ihm fanden, lesen und schreiben, noch diejenigen vielen, die in die deutsche Schule gingen. Diese lernten das deutsche ABC und mit deutschen Buchstaben buchstabieren und lesen, jene erlernten diese Grundfähigkeit sofort mit lateinischer Schrift und lateinischen Worten.

 

Es war demnach so, dass beide Schulen, sowohl die deutsche Elementarschule als auch die so genannte lateinische Trivialschule voraussetzungslos beginnen mussten. Die Bezeichnung der lateinischen Schule meint nun nicht, dass hier triviales, wertloses, oberflächliches Zeug gelehrt werden sollte, sondern sie bezeichnet die Schule, in der die ersten drei der insgesamt sieben Unterrichtsbereiche gelehrt wurden, das sogenannte Trivium.

 

Mit diesem Ausdruck wurden die Arbeitsbereiche Grammatik, Rhetorik und Dialektik bezeichnet. Diese Worte klingen für uns freilich bedeutsamer, als sie in Wirklichkeit sind. Sie meinen aber, dass ein Junge am Ende seiner Unterrichtszeit an der lateinischen Schule weiß, wie die lateinische Sprache aufgebaut ist, ihre Formen und Funktionen kennt und benennen kann, dass er korrekte Sätze bilden kann und dass er angemessen argumentieren kann. Waren diese Voraussetzungen geschaffen, dann war ein Schüler in der Lage, im Landexamen einen Text aus dem Lateinischen zu übersetzen und einen Aufsatz aus einem Repertoire geübter Themen in lateinischer Sprache anzufertigen.

 

 


 

5. Unterrichtsmaterialien

 

Um diese Ziele zu erreichen, standen den Präceptoren nur bescheidene Unterrichtsmittel zur Verfügung. Vor der Zeit des Buchdrucks war es so, dass lediglich ein Exemplar eines Buches vorhanden war, aus dem der Lehrer vorlas und nachsprechen ließ, bis die Worte im Gedächtnis der Schüler verhaftet waren, oder diktierte, vorausgesetzt, die Kinder konnten sich so etwas Wertvolles wie Hefte leisten. Sodann mussten die Kinder Merksätze auswendig lernen, die sie unter anderem auch disziplinäre Maßnahmen annehmen ließen.

 

So lässt etwa in einem Dialog der französische Humanist Maturinus Corderius (1479 – 1564) zwei Zöglinge einer Lateinschule darüber sprechen, warum der Vater des einen so oft die Anstalt aufsucht. Er will nämlich, dass sein Sohn mit Sorgfalt erzogen werde: „Cupit me diligenter erudiri.“ Und dazu muss der Junge eben auch geschlagen werden. Er muss dies durch einen lateinischen Dialog verinnerlichen, diesen auswendig lernen und immer wieder aufsagen: „Patienter ferenda est poena, praesertim iusta.38“ Zu guter Letzt wird diese Ansicht autorisiert mit einem Zitat aus den „Disticha Catonis“, einem Schulbuch der Humanistenzeit: „Quod merito pateris, patienter ferre memento.“39

 

In einem anderen Dialog sprechen zwei Schüler darüber, welche – mittlerweile gedruckten – Schulbücher sie besitzen. Der eine zählt auf: Grammatikbuch, eine Sammlung „Schülergespräche“, Komödien des Terenz, Ciceros Briefe mit deutschen Erläuterungen, Lehrsätze Catos, ein lateinisches Wörterbuch, ein Neues Testament deutsch, die Psalmen nebst Katechismus, außerdem ein Notizbuch, um die Diktate des Lehrers mitzuschreiben. Der andere hat dieselben Bücher zur Verfügung, erklärt aber, dass er die antiken Ausgaben nicht brauche, „qui non praeleguntur in classe nostra.“40 Doch sein Schulfreund schwingt sogleich die moralische Keule: „Ego, dum sumus otiosi, lego interdum illos, ut semper aliquid addiscam novi, praesertim in lingua Latina et honestis moribus.“41 Lateinische Autoren sind also dazu da, dass sie moralische Orientierung bieten und Rezepte für anständige Lebensführung.42

 

Diese beiden Beispiele werfen ein Licht auf die Unterrichtsmethoden der alten Lateinschulen. Alles musste auswendig gelernt werden, und als Schulung in den Bereichen Rhetorik und Dialektik dienten die sogenannten „Schülergespräche“ – wie sie auch Erasmus von Rotterdam für den Schulgebrauch verfasste – und die Komödien des Terenz. Jene orientieren sich an Geschehnissen aus dem Schulalltag oder greifen Familiensituationen auf und dialogisieren sie, die Komödien vermitteln Schlagfertigkeit in verzweifelter Lage und geschliffenen Witz. In der Wechselrede üben die Schüler Phrasen und Floskeln ein, die es ihnen Schritt für Schritt ermöglichen Aussagen zu verknüpfen, Argumente und Gegenargumente zu bilden und schließlich selber eine dialektische Erörterung, in der Standpunkte und Gegenstandpunkte formuliert werden müssen, zu gestalten. Die Inhalte zu solchen Erörterungen sind in der Regel den antiken Quellen entnommen, die Erörterungen selbst sind standardisiert.

 

Damit die Bildungsarbeit möglichst effektiv geschehen kann und um die Freizügigkeit von Eltern und Schulkindern – die, nebenbei gesagt, im Deutschland des Jahres 2004 wegen des unseligen Bildungsföderalismus‘ nicht gewährleistet ist – zu garantieren, erlässt der Herzog in der Kirchenordnung auch eine Schulbuch-Verordnung:

 

Wölche Biecher in der Schuol gelesen sollen werden.

 

Auff das nun die Knaben / mit andern Buechern nit beladen / noch jre Eltern mit vil Buecher zuokauffen beschwerdt werden / darzuo die Schuolmeister mit den Examinibus un[nd] progressionibus / so jaerlich in allen Schuolen gehalten / jres thuons dest richtiger moegen antwort geben / Oder so die Knabe[n] von einer Schuol in die andern gefürdert / mit ungleicheit der Buecher nit jrr gemacht. So sollen fürohin in allen Schuolen nun einerley Buecher / un[d] kein anders / dann die in dieser unser Ordnung hernach verzeichnet / gelesen / die auch keins wegs verendert / sonder zuo bestimbter zeit außgelesen / und nachmals vornen wider angefangen werden.43

 

Man halte fest: an allen Schulen des Landes werden die gleichen Bücher verwendet; in allen Schulen des Landes werden die gleichen Unterrichtsstoffe in den gleichen Unterrichtsphasen gelehrt, und es ist nicht nötig, ständig die Materialien auszutauschen, nur weil nachgekaufte Bücher einen anderen Satzspiegel aufweisen als den, den der Altbestand hat.

 

 


 

 6. Lehrpläne

 

In der ersten Klasse lernen die Buben in Württemberg nun das lateinische ABC, Silben zu buchstabieren und allmählich lateinische Wörter zu lesen. Der Lehrer soll, wenn seine Klasse aus mehreren Kindern besteht, Leistungsgruppen bilden, die sich gegenseitig im Lernen anspornen können. Als Lehrbuch wird bereits die Grammatik des römischen Sprachlehrers Aelius Donatus eingesetzt, in dem die Kinder buchstabieren und lesen sollen. Außerdem werden sie im Katechismus unterrichtet, aus dem sie Teile auswendig hersagen.44

 

In der zweiten Klasse werden die Merksprüche Catos eingesetzt, Morallehren in Form von Merksätzen. Diese müssen auswendig gekonnt werden, und die Kinder lernen auch, was diese Sprüche bedeuten. Sie werden in einem Heft aufgeschrieben, das der Präceptor regelmäßig kontrolliert, damit sicher ist, dass diese Aufschriebe nicht nur richtig, sondern auch schön notiert sind. Weiterhin sind die Stunden der zweiten Klasse mit den Formen der Konjugationen der Verben und Deklinationen der Adjektive und Substantive gefüllt, die ständig in den verschiedensten Reihenfolgen und Ordnungen repetiert und abgefragt werden. Außerdem verfügen die Kinder auch schon über eine Sammlung von Idioms und Redewendungen, die laufend abgeprüft werden. Musikunterricht, also Singen für den Gottesdienst, Schönschreiben und Katechismus ergänzen den lateinischen Unterricht.45

 

Die dritte Klasse beschäftigt sich nun mit der Satzlehre und die Kinder lernen auch, wie die Wörter der lateinischen Sprache aus Wortfamilien und in analogen Zusammensetzungen gebildet sind. Weiterhin lernen sie eine Fülle an Redewendungen, mit denen sie mündlich und schriftlich kommunizieren können. Die Fabeln des Aesop, wohl in den lateinischen Bearbeitungen des Phaedrus, werden gelesen, eine Auswahl aus Ciceros Briefen und – aus sprachlichen Gründen – Komödien des Terenz.

Amüsant für uns Heutige ist die Beflissenheit, mit der die Lehrer angewiesen sind, wie sie ihre meist noch nicht 10 Jahre alten Buben vor den moralischen Verworfenheiten des römischen Stückeschreibers schützen müssen, denn immerhin stellt es für einen freien Römer z. B. kein Problem dar, nebenbei ein vermeintliches Sklavenmädchen zu vergewaltigen.46 Deshalb sollen „die Præceptores anzeigen / wie die blinden Ethnici [= Heiden] von Gott und seinem Wort nichts gewißt / wie dann die Rochlosen Christen auch nichts darumb wissen / Darneben ein exemplum un[nd] testimonium sacrae Scripturae anzeigen / wie Gott der HERR dise Laster grewlich straff / unnd sich in allweg befleissen / das die unverstandne / zarte Jugendt / nit geergert werde.“47

 

Die Buben müssen nun auch kleine Texte in lateinischer Sprache verfassen, diese in ein Heft eintragen und bei Visitationen durch vorgesetzte Schulprüfer vorweisen, damit diese feststellen können, welche Übungen mit welchem Erfolg bewältigt wurden.

 

Wichtige Lektüre des vierten Schuljahrs sind Ciceros Briefe Ad Familiares. Weiterhin stehen Ciceros Buch über die Freundschaft und die Komödie Andria von Terenz auf dem Lehrplan. Am Ende des Schuljahres muss Ciceros De Senectute gelesen werden. Dass die Buben nun die gesamte Grammatik des Lateinischen beherrschen, wird als gegeben gesehen, nun sind Verse an der Reihe. Außerdem können die Schüler nun lateinische Aufsätze schreiben, die Vorlagen dafür erhalten sie dadurch, dass sie lateinische Texte regelmäßig abschreiben und auswendig lernen.

 

Die fünfte Klasse fordert die freie Rede und die dialektische Disputation. Auch dafür müssen viele Muster auswendig gelernt werden, damit sie je nach Thema und Redesituation wieder angewendet werden können. Neu in der fünften Klasse ist nun, dass die Kinder Gedichte schreiben müssen; dazu müssen sie wissen, wie lateinische Worte in die Verse eingebaut werden können, und sie müssen auch wissen, welchen Rhythmus die einzelnen Verse und Strophen haben. Wichtig für diese Abschlussklasse der lateinischen Stadtschule wird die „Rhetorik“ von Philipp Melanchthon. An klassischen Texten fallen nun Vergil und wiederum Cicero an, diesmal mit dem Buch von den Pflichten (De Officiis). Im griechischen Unterricht werden jetzt die Fabeln des Aesop gelesen, außerdem eine Schrift des Isokrates und des Xenophon, immer mit den notwendigen Begleitübungen des Exzerpierens und Auswendiglernens. Deutsche Texte, die lateinisch formuliert werden müssen, sollen nun einen recht hohen Abstraktionsgrad haben. Die formalen Teile, die eine lateinische Rede Ciceros aufweist, müssen gekannt und in eigenen rhetorischen Übungen angewendet und umgesetzt werden. „Da muoß man nit sehen / wie lang / sonder wie guot die scripta seien / und das sie auff die phrases unnd imitationem Ciceronis gerichtet werden / sonst coacervieren [= ansammeln] die Knaben allein vil Sententias aus andern Scriptoribus one allen verstand und urtheil zuosamen / und haben nit acht auff die puritatem linguae.“48

 

Die Lehrpläne für die fünf Schuljahre schließen ab mit der Feststellung, dass die Schüler qualifiziert seien für die Universitätslaufbahn, wenn diese Jahreseinteilung gewissenhaft eingehalten werde.

 

Dieser Lehrplan für die lateinische Schule wirkt auf uns sehr anspruchsvoll und geradezu akademisch. Aber wir müssen uns klar machen, dass es kleine Kinder sind, die sich mit diesen Lehr- und Lerninhalten befassen sollen. Damit rückt alles in ein ganz anderes Licht: Normalerweise – gelegentlich nach einer Vorklasse – besucht ein Kind ab dem siebten Lebensjahr die Schule49. Buben können wählen zwischen der lateinischen Trivialschule und der deutschen Elementarschule, Mädchen haben nur die Möglichkeit, die Elementarschule zu besuchen, wo Lesen und Schreiben in der Muttersprache gelehrt und gelernt wird, Rechnen, das für die praktischen Berufe gebraucht wird, und weitere nützliche Kenntnisse erworben werden. Mit 14 Jahren, also mit der Konfirmation, war spätestens die Schule zu Ende, die Elementarschüler erlernten einen Beruf, absolvierten dazu eine Lehre und versuchten nach weiteren drei Jahren in diesem Beruf zu arbeiten, Geld zu verdienen, eine Familie zu gründen.

 

Im Alter von 12 Jahren sind die Buben mit der städtischen Lateinschule, die sehr begabten in der Regel mit 14 Jahren mit der unteren Klosterschule fertig, besuchen die obere und bereiten sich damit auf ein Hochschulstudium vor, das mit 18 oder 19 Jahren abgeschlossen werden kann. Dieses Hochschulstudium ist rein akademisch. Wir erinnern uns: ein Fach wie Rechnen oder Mathematik existiert im Trivium der Lateinschule nicht und im Quadrivium der höheren Schule wird Mathematik eher als philosophisches Instrument zur Welterklärung benutzt. Das Universitätsstudium bewegt sich also weitgehend im praxisfernen Raum; keinem indes ist es benommen, Spezialkenntnisse zu erwerben, die ihn dazu befähigen akademisches abstraktes Wissen mit anwendungsfähigem Wissen zu kombinieren und so eine nützliche und vor allem gut bezahlte Tätigkeit etwa als Jurist oder Arzt oder Politiker auszufüllen.

 

Zum Schluss dieses Abschnittes soll noch ein Stundenplan vorgestellt werden, wie er sich aus der Beschreibung der Lehrpläne für die vierte Klasse, die Elfjährigen, ergibt.50 Es fällt auf, dass an jedem Tag zur selben Stunde dasselbe Fach gelehrt wird. Damit erhält die Arbeit der Kinder ein festes Gerüst, das ihrem Schulleben Ordnung verleiht. Die Stunden sind jeweils Vollstunden, auch der Samstag ist vollständig ausgefüllt. Da die Musikstunde, die jeden Tag zu Beginn des Nachmittags gegeben wird, dem Kirchengesang gewidmet ist, wird deutlich, dass für die Schulkinder – ebenso für den Lehrer – auch der Sonntag verplant ist. Sie müssen am Gottesdienst teilnehmen und diesen musikalisch gestalten. Auch dabei unterstehen sie der Aufsicht des Präceptors. Dieser kann sich eigentlich nie um seine eigenen Angelegenheiten kümmern.

 

 

 

MONTAG

DIENSTAG

MITWOCH

DONNERST.

FREITAG

SAMSTAG

8 - 9

Cicero cum explicatione et repetitionibus

9 - 10

Quaestiones

10 - 11

Repetitio et Usus Grammatices

11 - 12

Mittagspause

Emendatio

Mittagspause

12 - 1

Musica

1 - 2

Terentii ANDRIA, Ciceronis DE AMICITIA, Terentii EUNUCHUS, Ciceronis DE SENECTUTE – SYNTAXIS – PRINCIPIA PROSODIAE

(Schuljahresprogramm)

2 - 3

Nachmittagspause

3 - 4

Rudimenta Graecae Grammaticae

4 - 5

 

 

Argumentum Ciceronis

 

 

 

 

 


  

7. Strafen

 

Ein Unterrichtsgeschehen ohne Sanktionen ist nicht vorstellbar und nicht realistisch. Denn es widerspricht jedem gesunden Menschenverstand, dass junge Menschen in größerer Zahl in einem Raum zusammengesperrt werden und Gegenständen ausgesetzt werden, deren Sinn und Berechtigung – wenn überhaupt – sie erst viel später werden begreifen können. Nur wenigen ist es möglich, Schule in der Weise wahrzunehmen, dass sie deren ureigentliche Berechtigung und Aufgabe erkennen: Schule war schon immer - und ist es auch heute noch – die Institution, die einem jungen Menschen aus seiner eigenen beschränkten Welt Fenster öffnet und Türen hinaus in die Freiheit. Da aber der Junge oder das Mädchen rasch erkennt, dass Freiheit mühsam ist und Beschränktheit angenehm, besteht seit jeher der Konflikt, der sich in Noten ausdrückt und in mehr oder weniger großem Zwang ausgestanden werden muss.

 

Strafen sind deshalb in der alten Schule häufig. Sie werden dabei, wie wir schon gesehen haben, in einen pädagogischen Zusammenhang sublimiert. Demnach handelt der Lehrer nie aus Zorn, Enttäuschung, Frust oder Stress, sondern immer überlegt, da er ja seine Schüler zu wertvollen Menschen heranbilden will. Auch ein Vater in einem „Schülergespräch“ des spanischen Humanisten Juan Luis Vives (1492 – 1540) vertritt diese Überzeugung, wenn er seinen Sohn dem „magister ludi“ übergibt mit den Worten: „Hunc filiolum ad te adduco, ut ex belua hominem facias.“51

 

Um aus einem „Untier“-Kind einen Menschen zu bilden, gab es vielerlei Methoden. Selbstverständlich war die Rute, die das wichtigste pädagogische Instrument gewesen ist, unverzichtbar. Unser Bild52 zeigt auch, wie der schlechte Schüler, der in irgendeiner Sache versagt hatte, ausgezeichnet wurde: er wurde mit einem Eselskopf geschmückt und dem Gespött seiner Mitschüler preisgegeben.

 

Auch die Verfasser der „Großen Württembergischen Kirchenordnung“ haben niedergelegt, wie ein Lehrer seine Kinder behandeln soll, wenn sie sich daneben benehmen oder das Lernen verweigern, und sie kennen die Situation an den Stadt- und Landschulen gut genug, als dass sie nicht der Willkür der überforderten Pädagogen Zügel angelegt hätten, nicht nur, um die Kinder zu schonen, sondern auch, um die Schulen und die Präceptoren nicht in allzu schlechten Ruf geraten zu lassen.

 

Es heißt da:53

Die Jungen / so unfleiß unnd Bosheit halben / stræfflich befunden / wie oben gemelt / mit keinem gifftigen zorn / oder unbescheidenheit / oder poldern / sonder gebürlich / und bescheidenlich / mit glimpffigen Worten / und da die nit verfænglich / oder erschießlich / mit der Růtten straffen / dieselbig gebürlicher weiß gebrauchen / und darbey alle ungebürliche streich / als zů dem Haupt / auff die Nasen / oder Backen schlahen / in die Oren pfetzen / oder dieselbigen umbtrehen / bey dem Haar ziehen / oder rauffen / Tholle geben / oder anders dergleichen / gæntzlich vermeiden / Fürnæmlich aber sich in allweg befleissen, / das sie die jhenigen / so gůte ingenia haben / nit poldern / sonder sanfft und milt / mit jnen handlen / auch die / so ettwas unglürnig / und nit mit so fæhigen ingeniis begabt / obgelautter massen / mit Worten / und bescheidner gebürender Straff ermanen. Da aber ein Knab so gar unglürnig / und also eines harten Koppfs / das kein fleiß noch arbeit / bey jme wœlte erschiessen / desselben Eltern anzeige[n] / das er bey der Schůl verderbe / damit sie die Eltern / jne zů Handtwerckern / oder anderm bey zeit / richten / und helffen mœgen. Jedoch hierinn nit eilen / dann es begibt sich / das in dem fall / die letsten die ersten werden / Darumb allwegen das alter / und mores der Knaben / fleissig seind zůbedencken.

 

Hände also sind nicht verboten, auch Rücken und Hintern können geschlagen werden, wenn es denn schon gar nicht anders sein kann, Kopf aber und Gesicht sind verboten: denn da würde man die Striemen wahrnehmen können. Besser allerdings ist es, wenn der Lehrer zu Ermahnungen, Hinweisen und Ratschlägen fähig ist, die die Buben einsehen können und die sie befolgen.

 

Die Kirchenordnung empfiehlt auch den Wechsel in eine praktische Ausbildung, wenn die Begabung eines Kindes offensichtlich nicht zureichend ist, wenn also weder Hilfe noch Tadel noch Strafe irgendwelchen Erfolg hervorgebracht haben. Damit aber soll der Lehrer zurückhaltend sein – jeder Knabe, der die Lateinische Schule verlässt, geht dem Staat und der Kirche verloren.

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Wie heute auch steht die Schule in der Öffentlichkeit schlechter da, als sie in Wirklichkeit ist. Wir haben gesehen, dass die Schulordnung den Lehrern Verantwortung zuschreibt im Umgang mit den Schulkindern, und ein Präceptor, der seinen Auftrag ernst nahm – trotz aller Widrigkeiten – kann den Umständen entsprechend an seiner Schule ein gutes Klima schaffen.

 

Was allerdings in Freudenstadt an der Lateinischen Schule umgesetzt werden konnte und welches Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern in den beiden Jahrhunderten nach der Schulgründung bestand, darüber wissen wir kaum etwas.

 

 

 


 

 

8. "Christianopolis“

 

Indirekt und lose mit Freudenstadt verbunden ist der Herrenberger Humanist Johann Valentin Andreae (1586 – 1654). Von 1620 bis 1639 war er als Stadtpfarrer und Dekan in Calw und wirkte dort während der Schreckensjahre des Dreißigjährigen Kriegs, unter dem auch Freudenstadt heftig zu leiden hatte, als Seelsorger und Organisator humanitärer Hilfe.54 Im Jahre 1619 erschien im Druck seine Vision eines lutherisch – evangelisch geprägten Staatswesens, das er „Christenstadt“, „Christianopolis“, nannte. Es ist inzwischen viel Scharfsinn darauf verwendet worden, ob auf Schickhardts Entwürfe der absolutistischen Residenzstadt Freudenstadt die Vorstellungen Andreaes von Christianopolis zurückzuführen sind55 – für uns mag es in diesem Zusammenhang genügen, darauf hinzuweisen, dass im Zentrum des Freudenstadt-Quadrats das fürstliche Schloss seinen hervorgehobenen Platz findet, im Zentrum des Christianopolis-Quadrats jedoch der lutherische Tempel. Und wo in Freudenstadt die Schule bescheiden im dienenden Winkel hinter der Kirche angesiedelt ist, haben die Bildungseinrichtungen in Christianopolis ihren Ort inmitten der herausragenden städtischen Institutionen.56 Diese Schulen sind mit allen er-

denklichen didaktischen Materialien ausgestattet, die Unterrichtsräume sind licht und sauber, die Pädagogen qualifiziert und hochgebildet. In allen Lebensbereichen erscheint die Utopie der Christianopolis im absoluten Gegenteil zur Wirklichkeit in Calw, im Schwarzwald, in Württemberg – und auch in Freudenstadt. In der Realität – so klagt Andreae – „unterhält man keine nennenswerten Lernmittel für die Jugend, sondern zwingt sie, mit der Schwierigkeit ihrer Verhältnisse zu kämpfen.“57 Dies führe zu einer ausgeprägten Ellbogenmentalität. Weiterhin würden die Menschen zwar vorgeben, ihre Kinder „aufs zärtlichste zu lieben“, sie schließen sie aber „häufig in ein dunkles und ungesundes oder gar völlig verschmutztes Arbeitshaus“ ein, und sie werden „vom Sommer gebraten“, frieren im Winter und werden vom Lärm belästigt.58 In der Christianopolis entstammen die Lehrer „nicht dem Bodensatz der Gesellschaft oder taugen zu nichts anderem, sondern sind besonders auserlesene Bürger, die eine angesehene Stellung im Staat haben und auch häufig zu den höchsten Ämtern gelangen.“ Sie behandeln die ihnen Anvertrauten „als freie Menschen lieber mit Sanftmut, Freundlichkeit und großzügiger Behandlung als mit Schlägen und verschiedenen Äußerungen der Strenge.“59 Jungen und Mädchen erhalten qualifizierte Schulbildung, in allen Fächern, nicht nur in Latein, und die Schulinternate stehen auf einem sehr hohen hygienischen Standard. „Ich brauche ja nicht zu erwähnen, wie schmutzig hier die Lehrer sind, wie unsauber Speise und Bett, wie grob die Erzieher, wofür dann die Kinder, die dies ertragen müssen, nicht nur mit Schreien und Verwünschungen, sondern auch mit lebenslang siechem Körper Zeugnis ablegen.“60

 

Natürlich vergrößern diese literarischen Antithesen die Kluft zwischen Vorstellbarem und Wirklichem, aber Andreae stand viel zu sehr mit beiden Füßen im praktischen Leben, kannte Not und Entbehrungen in seinen Gemeinden, als dass seine Utopie nicht auch Spiegel seiner Erfahrungen wäre.

 

Noch im Alter von 64 Jahren, schwer krank, wurde er 1650 von seiner Hofpredigerstelle in Stuttgart wegbefördert und zum Prälaten und evangelischen Abt von Bebenhausen ernannt, wo er in den demolierten und ruinösen Klostergebäuden für 34 Schüler eine Klosterschule aufbauen sollte. Gleichzeitig oblag ihm die Visitationspflicht über 10 Pfarrbezirke; darunter auch Freudenstadt. Wenn also einer wusste, wie es draußen in den Kirchengemeinden, den Städten, den Schulen aussah und zuging, dann er!61

 

 


 

9. Freudenstadts Präceptoren

 

Ein Verzeichnis der „Präceptores“, der Lehrer der lateinischen Schule, überliefert Georg Heid62 von den Anfängen an bis auf seine Zeit. Betrachtet man die Jahre zwischen 1604 und 1700, so fällt auf, dass es in Freudenstadt kein Präceptor länger ausgehalten hat als sechs Jahre; über den ersten Präceptor haben wir uns schon unsere Gedanken gemacht.63

 

Eine Ausnahme hat es gegeben: Der 8. Präceptor der lateinischen Schule Johann Jakob Holder blieb 40 Jahre im Amt, von 1627 – 1667.64 Man kann davon ausgehen, dass alle anderen, von denen wir nicht mehr wissen, in welchem Alter sie nach Freudenstadt versetzt wurden, ob sie verheiratet waren und Familie hatten, versuchten, so schnell wie möglich in erträgliche Verhältnisse, die besser bezahlt wurden, wo man angenehmer leben konnte, zu entkommen. Das heißt, die Männer bemühten sich um eine erfolgreichere Präceptorenstelle oder sie versuchten eine Pfarrei zu erlangen, wo sie auch einer großen Familie ein Auskommen schaffen konnten.

 

War nun Johann Jakob Holder so verheerend schlecht, dass es keine Möglichkeit für ihn gab, von Freudenstadt wegzukommen? Oder sah er seine Aufgabe darin, in der gequälten Stadt auszuharren und das Seine zu tun? Wollte er der Jugend während der Katastrophen des Dreißigjährigen Kriegs und danach einen Weg öffnen in eine bessere Zukunft? Oder blieb er aus lauter Verzweiflung, als in Freudenstadt das schulische Leben völlig ausgesetzt hatte? Hielt ihn die Hoffnung, irgendwann einmal wieder als Lehrer tätig sein zu können? Weg gekonnt hätte er immer, und schlechter als in Freudenstadt wäre es ihm anderswo auch nicht ergangen.

 

Schon 1610 hatte in Freudenstadt die Pest gewütet, von über 700 Toten ist die Rede65. Trotzdem wurde an der Stadt unverdrossen weitergebaut und 2 Jahre später gab es schon fast 300 Gebäude. Am 24. Mai 1632 – Präceptor Holder war nun seit 5 Jahren an der Lateinschule – brannten 140 Häuser ab.66 Das Feuer brach im Haus „Zum Güldenen Barben“ in der ersten Reihe am unteren Marktplatz aus und zerstörte vor allem die Anwesen der wohlhabenderen Bürgerschicht, also eben der Bürger, die am ehesten bereit waren, ihre Kinder in die Lateinschule zu geben. Aber auch viele Handwerksbetriebe wurden vernichtet, sodass die Zahl der Bürger, d. h. der Haushaltsvorstände, auf 72 zurückging.67

 

Zwei Jahre später, der Wiederaufbau war eben durch die Großzügigkeit des Herzogs in Gang gekommen, wurde die Stadt „nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen 1634 mit der Verlagerung des Kriegs nach Württemberg durch Besatzung, Zerstörungen, Seuchen und Abwanderung stark entvölkert und in ihrer Wirtschaftskraft geschwächt.“68 Georg Heid69 erzählt davon mit Leidenschaft und romanhaften Zügen. Die Katastrophe wird aber durch eines deutlich, denn – gemäß seiner Darstellung – waren „nach dem Abzug der Katholischen [ ... ] nur noch 211 Einwohner in Freudenstadt zu finden

[ ... ] und es fand sich, daß über 2000 wehrlose Menschen von den Siegern gemordet worden waren.“70 Dann litt die Stadt im Jahr darauf ein weiters Mal unter der Pest und verlor erneut einen Teil der Bewohner.

 

14 Jahre zog sich der Krieg noch hin bis zum Frieden von Münster und Osnabrück. In dieser Zeit wurde an der Lateinschule kein Unterricht erteilt. Erst 1667 wurde sie wieder eingerichtet, „hatte aber kaum Schüler und schlechte Lehrer.“71 Johann Georg Wiedmann, der dritte Präceptor nach der Neueröffnung der lateinischen Schule und auch nur vier Jahre in Freudenstadt im Amt,72 erbat in einem Gesuch73 dringend seine Versetzung, wurde auch auf eine kirchliche Stelle versetzt, mit der Begründung, er sei zwar „ein wackerer Mann, aber ganz schlechter Lehrer.“

 

Entlohnung der Lehrtätigkeit war karg. Zwar scheinen freie Dienstwohnung, die Naturalentgelte von über 30 Zentnern Dinkel, knapp 7 Zentnern Hafer, über 500 Liter Wein und 12 Klafter Brennholz im Jahr für Wohnung und Schulzimmer für unsere Begriffe reichlich – aber da ist noch kein Stück Fleisch dabei, und auch Kleidung und Schuhe müssen gekauft werden können. Für den Präceptor waren in Freudenstadt als Jahresgehalt 76 Gulden angesetzt.74 Dazu sollten 16 Kreuzer Schulgeld jährlich von jedem Schüler hinzukommen und 20 Gulden für Musik in der Kirche. Aber woher sollte das Schulgeld kommen, wenn es keine Schüler gab, wie es 1692 wieder der Fall war?

 

Die Stadt Freudenstadt wandte sich schließlich wieder an den Herzog und ersuchte um einen tüchtigen Präceptor, machte Vorschläge, die auch heute wieder von bestechender Aktualität sind: es gibt etwas mehr Geld für wesentlich mehr Arbeit. Das Ansuchen der Stadt hatte Erfolg, zumal es sehr drastisch begründet wurde: die lateinische Schule sei „jeder Zeit mit liederlichen Leuten gestraft gewesen.“75 Tatsächlich fand sich ein qualifizierter Präceptor aus der Klosterschule Blaubeuren, der nach Freudenstadt kommen wollte und dort sogar knapp 40 Jahre blieb. Es war dies Christoph Seßlin. Es gelang ihm, der Lateinschule wieder Ansehen zu verschaffen, sodass sie im Jahre 1708 von 25 Schülern besucht wurde.

 

Doch war auch dies nur eine kurze Blüte. In ständigem Auf und Ab befand sich die lateinische Schule und damit stand auch ihr Präceptor entweder am Rand des Existenzminimums oder in einer relativ glücklichen Situation. 1785 unter dem Präceptor Christian Jakob Kilbel besuchten sogar 33 Kinder die Schule.

 

Diese Kinder, die verschiedenen Jahrgängen angehörten, wurden von einem einzigen Lehrer gleichzeitig in einem einzigen Raum unterrichtet. Er musste also jeweils nach Kenntnisstand kleine Gruppen bilden und diesen ihre Aufgaben zuteilen, während die andern etwas auswendig zu lernen hatten. Diktat, Repetieren und Aufsagen waren die hauptsächlichen Unterrichtsmethoden. Die Sache musste eben gekonnt sein, ob sie verstanden war, spielte kaum eine Rolle. Dennoch gab es zum Ende des 18. Jahrhunderts auch in Freudenstadt begabte Schüler, die das Landexamen schafften.76

 

 


 

10. Die Lateinschule in Freudenstadt im 18. und 19. Jahrhundert

 

Mit der Lateinschule ergeben sich im 18. Jahrhundert in Freudenstadt keine Veränderungen. Weder gibt es neue Schullokale noch zusätzliche oder qualifiziertere Lehrer. Nach Freudenstadt kommen nur in Ausnahmefällen solche Pädagogen, die die Kinder der Lateinschule in

dem Maße fördern wollen und können, dass sie das Landexamen abzulegen im Stande sind. Für diese Zeit verfügen wir jedoch zum ersten Male über authentische und originale Unterrichtsmaterialien.

 

In den Beständen des Kepler-Gymnasiums hat sich eine Vergil-Ausgabe77 von 1748 erhalten. Diese Ausgabe bietet nicht bloß den lateinischen Text, sondern auch mannigfaltige Erklärungen, sowohl den Inhalt als auch schwierigere Wörter und Wendungen betreffend.

 

So wurde der Präceptor, der ohne solche Hilfen zumeist höchst überfordert ist, in die Lage versetzt, seinen Kindern die lateinischen Verse Vergils verständlich zu machen, die sie vor allem auswendig lernen mussten und von denen sie gewisse Wendungen behalten mussten, um diese dann bei Gelegenheit eines Extempore – also eines freien Vortrags in lateinischer Sprache über ein vereinbartes Thema – anzuwenden.

 

Durch die „Deutschen Anmerckungen“ haben aber nun auch die Schüler der fünften Klasse die Möglichkeit, ihr Pensum nicht nur mechanisch zu repetieren, sondern, dank der umfangreichen Kommentare, auch zu verstehen.

 

Mit diesem schülerfreundlichen Angebot ist diese Ausgabe schon recht modern und sie nähert sich damit heutigen Schulausgaben, die zur Erleichterung der Lektüre mit Wortangaben und Verständnishilfen nicht sparsam sind.

 

Einen unerwarteten Fund liefert diese Schulausgabe noch. Der Herausgeber, der sich leider weder auf dem Titelblatt noch am Ende der Vorrede nennt, erklärt die Grundsätze seiner Textbearbeitung und die Art und den Umfang seiner Erklärungen und Kommentare. Dabei äußert er über die Zustände, die in Sachsen und auch anderswo in den lateinischen Schulen des 18. Jahrhunderts offensichtlich herrschten, wenig Schmeichelhaftes. Zunächst erklärt er in aller Deutlichkeit, dass auch in Schulen, wo lateinische Autoren eingeführt seien, die Arbeit mit den Texten Vergils im Wesentlichen vergeblich sei, da der Fortschritt in der Regel viel zu gering sei und die Schüler viel zu lange an einer Zeile oder einem Abschnitt hängen würden. Er fährt dann fort:

 

Zur nützlichen Tractation des Virgilii gehören wie zu allen anderen Lectionen drey Dinge. Zum ersten ein guter Præceptor. Wofern man verdorbene Literatos, die man sonst zu nichts brauchen kann, oder doch Leute, die sich nie um dergleichen Studia bekümmert haben, auch wol kein donum didacticum besitzen, ins Schul=Collegium nimmt, so ist leicht zu begreifen, daß sie diesen schweren Auctorem entweder selbst nicht verstehen, oder doch mit schlechtem Vergnügen und mit geringer Deutlichkeit vortragen werden. Und wenn solches die Schüler nur ein wenig mercken, so ist der Credit und die Aufmercksamkeit beständig verlohren.“78

 

Das Wichtigste, das aus diesen Zeilen zu entnehmen ist, besteht also darin, dass in den lateinischen Schulen – natürlich auch in den deutschen – Personen als Lehrer und Präceptoren eingesetzt wurden, die zwar lesen und schreiben und ein bisschen Latein konnten, aber keine Ausbildung oder gar ein abgeschlossenes Studium besaßen. Denn wer das hatte, dem taten sich andere Perspektiven auf, der musste nicht seine Zeit an einer lateinischen Kleinstadtschule vertun und sich aufreiben für nichts und wieder nichts. Und so treiben sich also an den Schulen abgebrochene Studenten herum oder gar Leute, die in überhaupt keinem schulischen Bereich kompetent sind.

 

Schüler sollten aber doch, das ist der dringende Wunsch des Herausgebers, trotz solcher äußerer Bedingungen erfolgreich arbeiten können. Deshalb sei diese Ausgabe entstanden, denn die dritte Voraussetzung für einen erfolgreichen Unterricht „ist eine gute Edition, woran es den Schülern gemeiniglich zu mangeln pflegt.“ Und nun lesen wir in diesem Buch von 1748 einen Satz, der damals wie heute ein Ziel beschreibt für einen nach vorne und auf Selbständigkeit des Schülers gerichteten Unterricht:

 

Wer eine gute Edition mit leichten Anmerckungen hat, der kann sich präparieren und wiederhohlen, so, daß er in vier Wochen mehr aus diesem Poeten lernen wird, als ein anderer in vier Jahren.“79

 

Darin hat sich bis heute nichts geändert: Wer sich auf den Unterricht nicht vorbereitet und den behandelten Stoff nicht noch einmal durcharbeitet, wird selber kaum vom Angebot profitieren und vor allem den Betrieb in der Klasse erfolgreich blockieren. Damals freilich konnte die Mühseligkeit des Voranschreitens noch den äußerst bescheidenen Verhältnissen und Ausstattungen, wenigstens zum Teil, zugeschrieben werden, heute allerdings gilt dies nicht mehr. Denn heute stehen den Lehrenden wie auch den Lernenden Lern- und Arbeitsmaterialen für jede beliebige Lern- und Leistungsstufe zur Verfügung. Käme es also nur auf das Material an, müssten heute paradiesische Zustände herrschen.

 

Eine zweite kostbare Antiquität ist rund 100 Jahre jünger. Es handelt sich um einen Tafelband80, der Anschauungen zur griechischen und lateinischen Lektüre bietet. Während die Vergil-Ausgabe lediglich als antiquarisches Werk am Kepler-Gymnasium vorhanden ist, weist sich der Tafelband durch einen handschriftlichen Eintrag als

aus. Die Vorrede zu diesem Werk macht auch deutlich, wie und mit welcher Tendenz die Behandlung antiker Stoffe stattzufinden hatte. Der Verfasser dieser Vorrede, „Prälat, Theol[ogiae] D[octo]r Carl Ludwig v. Roth“, der zusätzlich noch ausgewiesen ist als „Ritter des Ordens der Württ. Krone“, betont, dass „unsrer deutschen Gelehrten Schule doch ja der Ruhm erhalten bleiben“ müsse, „dass sie ihren Schülern den Zugang zu den alten Autoren zuallererst durch die Grammatik eröffne.“ Aber, so fügt er hinzu, die Anschauung sei ebenfalls äußerst wichtig. Und genauso wie heute dem Lehrer fertige Unterrichtsmodelle an die Hand gegeben werden, mit denen er seine Vorbereitung ohne großen Zeitaufwand erledigen könne, heißt es auch in jener Vorrede von 1859, das Tafelwerk der „Griechischen und Römischen Kriegsalterthümer“ werde „allen den Lehrern höchst willkommen erscheinen, welche mit dem geringsten Zeitaufwand81 ihren Schülern soweit, als das im Schulunterricht geschehen kann, deutliche Vorstellungen vom Kriegswesen der Alten beibringen wollen, da ja die Werke des Krieges doch bei allen Autoren, die wir in der Schule behandeln, dem Schüler am Häufigsten vor Augen kommen.“

 

Dieser letzte Satz zeigt deutlich, dass nun im 19. Jahrhundert die Beschäftigung mit antiken Stoffen darauf abzielte, nach römischen Vorbild vaterländisch gesinnte Jugendliche heranzubilden, die wie die altem Helden auch in den Streiten und Kriegen der Gegenwart sich bewähren würden. Zu diesem Zweck wurden die Anschauungen klinisch rein und aufs höchste stilisiert dargeboten. Die Kämpfer sind einander zugewandt wie Tänzer oder Models, die exotische Moden und Gebrauchsgegenstände vorführen und sich dabei anmutig bewegen. Dem Kampf und dem Krieg wird durch solche idealistische Darstellung jeder Schrecken, jeder Schmerz, jedes Leid genommen: Krieg ist schön. Der Zeichner hat sogar darauf geachtet, dass die Krieger das klassische griechische Profil nicht vermissen lassen. Das Lehrwerk beklagt nun nicht mehr die Unzulänglichkeit der lateinischen Schule, sondern liefert ganz im Gegenteil präzise didaktische und pädagogische Ansätze, die verfolgt werden sollen.

 

 


 

11. Die Realschule - Konkurrenz zur Lateinschule

 

Zur Hundertjahr-Feier der Realschule in Freudenstadt verfasste 1937 der damalige Leiter der Kepler-Oberschule, Oberstudiendirektor Dr. Richard Fener, einen Rückblick auf die Gründungstage der Realschule.82 In dieser Rückschau, die natürlich in erster Linie der neuen Realschule gewidmet ist, erfahren wir mancherlei über den Zustand und die Verhältnisse in der lateinischen Schule hinter der Kirche in Freudenstadt. Die Ausführungen Richard Feners sind um so kostbarer, weil 1944 und 1945 – wie schon erwähnt – die alten Unterlagen, die Lateinschule betreffend, verbrannten.

 

Im Jahre 1828 muss es um die Lateinschule nicht schlecht bestellt gewesen sein, denn die Stadt Freudenstadt suchte um einen zweiten Lehrer, einen Kollaborator, an. Begründet wurde dieses Gesuch mit der Schülerzahl „von 40 – 50 Schülern, in den verschiedenen Altersklassen von 8 – 14 Jahren.“83 Diese Kinder wurden, wie aus einem anderen Gutachten von 1834 hervorgeht, in „einer Klasse“84 unterrichtet. Wenn also aus der Schule „etwas Rechtes“85 werden solle, sei es unerlässlich, daß auf Staatskosten ein zweiter Lehrer eingestellt werde.

Weiterhin heißt es in dem Gutachten: „Wichtiger jedoch [ ... ] ist eine gute Realschule, denn von jeher wollten dort (d. h.: an der Lateinschule. al) nur wenige sich einem wissenschaftlichen Berufe widmen, und auch von den 33 Schülern, welche bei der letzten Visitation an der Anstalt sich befanden, war keiner für die Studien bestimmt.“86 Das sagt nichts anderes, als dass die Freudenstädter ihre Buben zwar auf die lateinische Schule schicken, weil es keine andere gibt, deren Bildungsangebot aber für die Bedürfnisse der Handwerker und Gewerbetreibenden völlig ungeeignet ist.

 

Allerdings lehnt die Stadt die Auflösung der Lateinschule ab, da deren Ausstattung und Finanzierung dem Königreich Württemberg obliegt, damit die Stadtfinanzen nicht tangiert; sie fordert indes nachdrücklich die Errichtung einer Realanstalt, „worinnen neben dem Unterricht in den Anfangsgründen der lateinischen Sprache hauptsächlich Deutsch und französische Sprache, Arithmetik, Geographie, architektonisches Zeichnen, Geschichte und das Wichtigste aus der Naturlehre vorgetragen werden sollte.“87 Die Stadt fordert also eine Bildungseinrichtung, die anwendbares praktisches Wissen vermittelt.

Der damalige Präceptor Johann Andreas Jäck, der von 1824 – 184388 der Lateinschule in Freudenstadt vorstand, griff in die Diskussion um die Realschule ein. Seine Stellungnahme zitiert Fener, sodass wir heute seine Situation als Lehrer deutlich erkennen können. Er hatte in vier Klassen zwischen 30 und 50 Buben zu unterrichten, und zwar alle gleichzeitig in einem Schulzimmer. Sein Gehalt von jährlich 275 Gulden plus Dienstwohnung und Schulgeld charakterisiert Jäck mit den Worten: „Schwerlich wird sich ein anderes Präceptorat im Lande mit gleich geringem Fixum nachweisen lassen. Dieser Umstand versetzt den Lehrer in die abhängigste und drückendste Lage, wovon man sich bei einer durch ein hinlängliches Fixum gesicherten Existenz schwer einen Begriff macht. Eine schwache Schülerzahl gefährdet die Existenz. Eine starke setzt dem Verdacht allzugroßer Rücksichtnahme auf das eigene Interesse aus.“89

 

Ich erinnere mich an meine Volksschulzeit in einer Dorfschule bei Backnang von 1953 bis 1957. Das Schullokal war ein einziger Raum mit Sitzpulten. An die Tintenfässer in den Pulten kann ich mich auch noch gut erinnern, und dass es fast lebensgefährlich war, die Enden der Zöpfe von den Mädchen, die vor einem saßen, in diese Tintenfässer einzutauchen. In diesem Schulzimmer saßen ungefähr 30 Kinder in acht Klassen. Unser Dorfschullehrer - sein Name sei genannt: Albert Langenstein - musste also ein hervorragender Organisator sein, wenn er jeden Vormittag alle acht Jahrgänge in allen Fächern gleichmäßig beschäftigen und fördern wollte. Gut kann ich mich noch daran erinnern, wie Jungen oder Mädchen, die eine bestimmte Sache besonders gut konnten, eine andere Lerngruppe betreuen mussten. Selber durfte ich auch an Lerngruppen in höheren Klassen, als ich jeweils selber war, teilnehmen. So habe ich in dieser Dorfschule sehr Vieles gut gelernt, und inzwischen habe ich das Bewusstsein, dass größeres pädagogischen Können notwendig ist, wenn man acht Klassen gleichzeitig unterrichten muss, als wenn in jeder Stunde nur eine einzige und diese auch nur im immer gleichen Fach betreut wird.

 

Vergleichbare Arbeit leistete auch unser Präceptor Johann Andreas Jäck. Seine pädagogischen Schwierigkeiten schildert er sehr anschaulich: „Wenn man nur die vier Hauptabteilungen der Lateinschule im Auge behält, so kommen bei wöchentlichen 30 Schulstunden [es sind dies natürlich Vollstunden! al] auf einen Tag im Durchschnitt 5 und auf eine Abteilung 1 ¼ Stunden, angenommen, daß man immer mit dem Stundenschlag anfangen könnte, und der Lehrer wie das Rad der Zeit keine Zwischenpausen machte und brauchte. Wie soll aber ein Lehrer bei vier Abteilungen mit dieser Zeit für die verschiedenen Fächer des Lesens, Schreibens, Rechnens, der Religion, Geographie, Geschichte, des Singens, der Stilübungen und der alten Sprache auskommen. – Des Nachmittags ist die Schulzeit für vier Abteilungen nur 2 Stunden, so daß auf jede Abteilung nur ½ Stunde kommt. Wie leicht ist es da möglich, daß die Reihe an eine Abteilung gar nicht kommt.“90

 

Die Ausführungen Jäcks zeigen klar, dass sich inzwischen der Lehrplan für die lateinische Schule entscheidend gewandelt hat. Zwar steht die Beschäftigung mit der lateinischen Sprache immer noch im Vordergrund, aber Realienfächer wie Rechnen, Geographie, Geschichte sind hinzugekommen. Eine nachdrückliche Forderung der Freudenstädter bestand darin, dass an der Schule auch Französisch unterrichtet werden sollte, und das konnte Jäck nicht. Unterstützt wurde die Forderung nach einer Realschule auch vom Ministerium „indem eine solche Schule für diesen Ort mehr als eine lateinische Schule Bedürfnis ist und höchstens einzelne wenige Beamtenfamilien bei Erhaltung der letzteren beteiligt sein können.“91 Dem wurde entgegengehalten, die Lateinschule in Freudenstadt sei die einzige in weitem Umkreis und unverzichtbar.

 

Also sollte es sowohl eine Latein- als auch eine Realschule geben. Praktisch und sparsam wie die Freudenstädter seit jeher sind, sollte dafür das Schulhaus hinter der Kirche entsprechend umgebaut werden. Man sah vor, das Schulzimmer der Lateinschule durch eine Bretterwand zu teilen. So konnten zwei Räume geschaffen werden für zwei Realklassen. Im Erdgeschoss gab es ein kleines Zimmer mit zwei Fenstern, die sich auf einen großen Misthaufen öffneten; dieses Loch würde gut genug sein für die Lateinklassen.

 

 

 


 

12. Die Lateinschule im Schatten der Realschule

 

Als dann im November des Jahres 1837, mit Beginn des neuen Schuljahres, die Realschule eröffnet wurde, ergab sich – laut dem Bericht des Gemeinschaftlichen Oberamts – für die Lateinschule folgende Situation: die lateinische Schule erhält tatsächlich den Raum mit der Miste, die Realschule bezieht den noch nicht geteilten Schulsaal, der groß genug ist, dass auch die Lateinschüler dem Realunterricht beiwohnen können. Für Lehrmittel beider Anstalten wurde ein Etat von 60 Gulden jährlich bewilligt; die beiden Schulen mussten sich also wirklich darauf einigen, was angeschafft wurde.92

 

Mit der Schulordnung von 1891 erfolgte im Königreich Württemberg die erste einschneidende Reform an den Lateinschulen seit der Großen Kirchenordnung von 1559. Die Komposition wurde abgeschafft93. Von nun an mussten die Lateinschüler nicht mehr sich damit abmühen, einen deutschen Text ins Lateinische zu übertragen, mussten nicht mehr die Fähigkeit entwickeln zu lateinischer Konversation, mussten sich nicht mehr dafür kritisieren und tadeln lassen, dass sie ein lateinisches Wort, einen lateinischen Ausdruck verwenden würden, der nicht durch den Sprachgebrauch Ciceros legitimiert war. Die frei werdenden Stunden erhielten Fächer wie Französisch oder Erdkunde, denn selbst wenn die Republik jenseits des Rheins politisch ein Feind war, so galt deren Sprache als Gesellschafts- und Kultursprache; und nebenbei ließen sich mit Frankreich gute Geschäfte machen – ein wesentlicher Gesichtspunkt für die Handwerker- und inzwischen, dank Alfred Hartranft, auch Tourismusstadt.

 

Freilich war in Württemberg eine solche Entscheidung sehr schwer gefallen. Denn hier herrschte stets ein gesunder Konservativismus, man schaute sich um, wie es andern Orts, vor allem in Preußen, gehandhabt wurde, prüfte, wog ab, und ließ manches bleiben. Als im Deutschen Reich schon längst die aktive Beherrschung des Lateinischen nicht mehr gefordert und gepflegt wurde, war dies im Königreich Württemberg noch immer der Fall und man hat „an der Übung des Komponierens bei den alten Sprachen mit besonderer Zähigkeit festgehalten, lediglich in der Überzeugung von der formalen Förderung des Geistes durch den Zwang des Umgießens eines deutschen Inhalts in antike Gedankenkreise und Ausdrucksmittel."94

 

Weiterhin wird die Lateinschule gegen die Ansprüche einer industrialisierten, technisch orientierten Gesellschaft nachdrücklichst verteidigt:

„Die Losung: non scholae, sed vitae wurde in den Zeiten eines wachsenden Industrialismus und um sich greifenden Materialis- mus von vielen Kreisen, die der Schule ins Handwerk pfuschen zu müssen glaubten, in die Forderung ausgelegt, es müsse in Auswahl und Behandlung der Unterrichtsstoffe weit mehr als bisher auf das im späteren Leben unmittelbar Verwendbare ab- gezielt werden; für die höhere Schule Württembergs jedoch be- hielt jener Spruch nach wie vor seine ideale Deutung in dem Sinn, daß sie, einer platten Nützlichkeitsschwärmerei abhold, in den Schülern vor allem die Anregung zum Weiterdenken über die wichtigsten Lebensfragen und die Fähigkeit zu eindringen- der Geistesarbeit wecken möchte, ohne den auszuwählenden Lehrinhalt gleich von vornherein auf etwaige künftige praktische Brauchbarkeit zu prüfen. Von diesem Gesichtswinkel aus sind auch die immer noch ziemlich zahlreichen Landlateinschulen zu beurteilen [ ... ].“95

 

Eine dieser Landlateinschulen befand sich auch in Freudenstadt. Sie war im Jahr 1892 eine von 66 im Königreich Württemberg eingerichteten lateinischen Bildungsanstalten. Im Jahr 1900 hatte sich deren Zahl um zwei vermindert, 1916 waren es nur noch 39 reine Lateinschulen, darunter noch immer Freudenstadt.96 Wie viele andere Landlateinschulen hatte auch Freudenstadt stets mit Existenzproblemen zu kämpfen.

 

Im Jahr 189697 erst hatte die Lateinschule Freudenstadt so viele Schüler, dass drei Abteilungen mit drei Lehrern eingerichtet werden konnten. Die erste Abteilung wurde vom Kollaborator unterrichtet, dies war die Klasse I. Die Mittelstufe (Klassen II und III) wurde zunächst von Präceptor August Kübel98 unterrichtet, später von Hilfslehrern. Dann übernahm Kübel, nun zum Oberpräceptor, später zum Professor ernannt, die Oberstufe der Klassen IV und V; die Besitzeintragungen in seiner markanten Handschrift sind noch in verschiedenen Büchern des Kepler-Gymnasiums erhalten.

 

1897 wurde die Realschule erneut um eine Klasse aufgestockt; sie umfasste nun sechs Klassen. Damit verlor die Lateinschule schon wieder an Attraktivität, denn sie konnte mit ihren nur 5 Klassen das „Einjährige“ nicht möglich machen. Wer somit nur ein Jahr Wehrdienst leisten wollte, musste den Abschluss an der Realschule schaffen. Dann konnte er in einer Truppe seiner Wahl den Militärdienst ableisten und brauchte anstatt zwei Jahre oder gar drei nur ein Jahr dienen.

 

Die Lateinschüler der Klassen IV und V mussten daher in Physik und Mathematik den Unterricht der Realschule besuchen, damit sie die gleichen Chancen bekamen und die Klasse VI an der Realschule absolvieren konnten.

 

Im Jahre 1903 wurde der kleine Martin Haug, späterer Landesbischof von Württemberg, in der Lateinschule eingeschult. In der Einweihungsschrift für die heutige Kepler-Schule erzählt er anschaulich davon:99

Eine Sehenswürdigkeit war sie nicht gerade, unsere einstige Freudenstädter Lateinschule. Sie hat sich mit Grund hinter der Hauptsehenswürdigkeit unserer Stadt, der evangelischen Stadtkirche, schamhaft versteckt und war in dem Winkel hinter der Kirche schwer zu finden. „Die Bude“, wie sie im Volksmund treffend hieß, war eines der ältesten Gebäude Freudenstadts. [ ... ] Die alte Bude hat buchstäblich gewackelt, wenn wir nach Schulschluß die alte Holztreppe hinuntergestürmt sind. Auch die beiden Klassenzimmer für die größere Vorklasse, in der die künftigen Real- und Lateinschüler noch beisammen waren, und für die kleine erste Lateinklasse waren mehr als primitiv, der düstere Vorraum von den Schulzimmern mit den Toiletten war denkbar unschön und unhygienisch. Von der guten Freudenstädter Luft war in der ganzen „Bude“ wirklich nichts zu bemerken.

[ ... ]

Der gute Geist dieser „Bruchbude“ war der Lehrer, Präzeptor Jakob Bitzer, ein Schulmeister vom alten Schlag. In allen Fächern jener Stufe – außer im Zeichnen und Turnen – hat er uns selbst unterrichtet und die elementaren Dinge gründlich beigebracht [ ... ], wir waren damals etwa 10 Schüler [ ... ].

In der zweiten und dritten Klasse der Lateinschule, die miteinander unterrichtet wurden, hatten wir einige ganz junge unständige Lehrer [ ... ].

Ganz anders war es doch dann auf der Oberstufe unseres damaligen Mini-Gymnasiums, die als Gast in einem stattlichen Zimmer der Knabenvolksschule in der Bahnhofstraße untergebracht war. In der 4. Klasse waren wir damals nur noch vier Schüler, drei Buben und ein Mädchen, in der fünften waren es ganze zwei [ ... ].“

 

Martin Haug erzählt weiter, der Lehrer dieser Oberstufe sei Oberpräzeptor Kübel gewesen, der ständig geklagt habe über seine Überlastung, aber ein ausgezeichneter Pädagoge gewesen sei.

 

Auch dem von Martin Haug erwähnten Präzeptor Jakob Bitzer (1854 – 1945)100 verdanken wir wichtige Auskünfte über die Lateinschule. Anläßlich der Einweihung der Kepler-Oberschule in der Stuttgarter Straße101 blickt er in seiner Lehrer-Vergangenheit bis ins Jahr 1887 und in den Winkel hinter der Kirche zurück.

Bitzer vergleicht die gegenwärtigen Schulverhältnisse, wie sie nun im Jahre 1930 in der modernen, lichten und weiträumigen hervorragend ausgestatteten neuen Schule vorhanden sind, mit den Bedingungen, unter denen er selbst hatte arbeiten müssen: „Während man heute für die heranwachsende Schuljugend das Allerbeste gerade für gut genug hält und palastartige Schulgebäude erstellt, mußte die Schule im vorigen Jahrhundert noch mit ganz einfachen Gelassen, ja oft mit völlig unzulänglichen Räumen vorlieb nehmen.“

 

 

Im Dachstock des Schulhauses der Lateinschule102 befand sich unter dem Dach in einem Raum „nicht viel größer als ein gewöhnliches Wohnzimmer und so niedrig, daß man mit ausgestrecktem Arm an die vom Alter sich bauchig herabneigende Decke langen konnte“, die Kollaboraturklasse (Klasse I). 30 Kinder zwängten sich in acht Schulbänke. In dieser Stube befand sich noch ein großer Eisenofen, der regelmäßig vom Lehrer selbst vom Flur aus mit Holz befeuert werden musste. Schrank, Pult, Tafel ergänzten die Einrichtung.

 

Diese Klasse war bis 1882 an einem ganz anderen Ort untergebracht gewesen. Mitten auf dem Marktplatz stand bis zur Zerstörung das so genannte Wachthaus103. In diesem Gebäude war in einen Raum die Unterklasse gesteckt gewesen. Als aber 1882 in der Straße, die zum Bahnhof hinunterführt, das neue Knabenschulgebäude, die heutige Hartranftschule, gebaut worden war, zog die Präzeptor-Klasse August Kübels dorthin um, in bessere Verhältnisse - und für die Kleinen war die Stube unterm Dach wieder gut genug.

 

Bis 1897 befand sich im Gebäude der Lateinschule auch noch eine Realklasse. Als aber die Räume des Gebäudes, in dem sich die Realschule befand - es ist dies der heutige Schickhardt-Bau104 -, ausgebaut wurden,105 zog auch diese Klasse aus; gleichzeitig wurde die Elementarschule aufgelöst.

 

Damit stand das Haus hinter der Kirche eigentlich wieder der Lateinschule zur Verfügung. Allerdings benutzten die Räume der Lateinschule auch Vereine, es wurde Bibelstunde darin abgehalten, die Pfandleihanstalt hielt ihre Auktionen während der Schulzeit ab, und auch die katholische Volksschule war dort einquartiert. Die wenigen Räume waren also rund um die Uhr belegt.

 

Nach dem ersten Weltkrieg wurde das gesamte Gebäude völlig umgebaut und Notwohnungen wurden darin eingerichtet; die Unterklasse der Lateinschule wurde in die Realschule verfrachtet. Die Mittelklasse erhielt einen Raum in der damaligen Gewerbeschule in der Musbacher Straße (ehemalige Musikschule; heute Haus der Experimenta). Die Oberklasse aber musste aus ihrem Lokal in der Bahnhofstaße vor die Stadt in das sogenannte „Stocksche Gebäude“106 in der Stuttgarter Straße 45.

 

Noch ein Bericht ermöglicht Einblick in die Verhältnisse der Lateinschule vor dem ersten Weltkrieg. Frau Gunhild Appuhn107, Tochter des Zeichners und Malers Karl Biese108, besuchte im Jahr 1913 diese Schule. Sie war damals 13 Jahre alt und hätte die Klasse IV oder V besuchen müssen. Die höchste Klasse hatte aus zwei Buben bestanden, und die waren weggezogen. Die Klasse IV gab es auch nicht. Also musste Gunhild notgedrungen in Klasse III eingeschult werden, ein Mädchen unter vier Buben. Das Mädchen drängte sich nun keineswegs in ein Revier hinein, das für sie verboten gewesen wäre; das Königreich Württemberg hatte nämlich zusammen mit dem Großherzogtum Baden schon seit einigen Jahren die gemeinsame Erziehung von Mädchen und Jungen an den höheren Schulen eingeführt109. Nur hatte sich das natürlich an der Lateinschule in Freudenstadt noch nicht herumgesprochen, weil diese Situation noch niemals eingetreten war.

 

Gunhild erzählt nun in ihren Erinnerungen von den harten Kämpfen, die sie zu bestehen hatte, und von der Anerkennung, die sie sich schließlich erwarb. Ihre Beschreibung der Schullokalitäten zeigt auch, dass sich in all den Jahren im Schulhaus hinter der Kirche nichts geändert hatte. Nachdem sie schließlich als Gastschülerin die vierte Klasse absolviert hatte, musste sie überwechseln zur Realschule in den Schickhardt-Bau.

 

Wir können uns vielleicht eine Vorstellung davon verschaffen, unter welchen Verhältnissen an der Lateinschule unterrichtet werden musste, wenn wir uns am Stadtplan des Jahres 1899110klar machen, wo überall in der Stadt die Lokalitäten der Schule untergebracht waren. Das Stammhaus, das Alte Knabenschulhaus hinter der Kirche,

trägt auf diesem Plan die Nummer 14. Dort befanden sich die Vorklasse sowie die Unterstufe der Lateinschule. Mittlerweile war auch der unhaltbare Zustand, dass sich in diesem engen Schulhaus die gesamte männliche Jugend der Stadt zusammendrängte, behoben worden. Außerhalb der alten Stadt, an der Straße, die zum 1879 eröffneten Bahnhof hinabführte, errichtete die Stadt 1882 das Neue Knabenschulhaus (auf dem Plan Nummer 13; heute Hartranft-Schule). Dort erhielt, wie wir ja schon wissen, die Präceptor-Klasse ein Zimmer.

 

Am Ort, an dem sich heute die Stadt-Apotheke befindet, gegenüber dem Memminger-Brunnen mit seinen lustigen Vögeln, hatte die Stadt

im Jahre 1829 Räume angemietet, in denen die Mädchen unterrichtet wurden.111 Knapp 60 Jahre später waren die Bedingungen in diesem Hause offenbar so katastrophal, dass auch die Mädchen eine neue Schule bekamen; es ist dies die heutige Eberhardt-Schule (Nr. 16).112

 

Am Ende des 19. Jahrhunderts waren also die beiden Volksschulen für Mädchen und Jungen in neuen Häusern untergebracht, die Realschule hatte den (heutigen) Schickhardt-Bau und musste sehen, wie sie darin zurechtkam, die lateinische Schule aber steckte immer noch in ihrem

Loch hinter der Kirche – da hatte sich überhaupt nichts geändert. Und es sollte sich auch nichts Wesentliches in den Bedingungen für die la-

 

teinische Schule oder die Lateinabteilung der späteren Realschule ändern. Die Lateiner wurden hin und her geschoben, einmal hier untergebracht, dann wieder dort, über die ganze Stadt verteilt. Und auch dies sollte nicht anders werden, bis der Neubau für die im Jahr 1920 vereinigten Schulen zehn Jahre später, im Jahr 1930 in der Stuttgarter Straße errichtet wurde.113 In diesem neuen Schulgebäude114 waren für die Lateinklassen sogar eigene Klassenräume ausgewiesen, und zwar je zwei Zimmer im Erdgeschoß und im Zweiten Obergeschoß.115

 

Seit der Eingliederung der Lateinschule in die Realschule als „Lateinabteilung“ war für die Lateinschüler ein entscheidender Nachteil beseitigt. Auch dieser Zug wurde nun über sechs Jahre geführt. Die Schüler konnten damit auch in der Lateinklasse das „Einjährige“ erwerben und naturwissenschaftliche und sprachlich-humanistische Ausbildung waren weitestgehend gleichberechtigt.

 

 



13. Latein am Kepler-Gymnasium heute

 

Die Schule, die „Keplerschule-Gymnasium“ heißt, wurde als Ganzes im Sommer 1979 eingeweiht116. Nach etwas mehr als 50 Jahren Betrieb, zuletzt allerdings nicht mehr als Schulhaus, musste das „Alte Kepler“ in der Stuttgarter Straße einer Bank Platz machen und wurde abgerissen.117

 

 

Dieses heutige Kepler-Gymnasium bietet zwei Bildungsprofile an. Das eine ist das naturwissenschaftliche mit Französisch als zweiter Fremdsprache und Physik als Hauptfach in Klasse 11. Das andere Profil mit Latein als zweiter Fremdsprache ab der Klasse 7 und Französisch ab Klasse 9 wurde bisher stets von so vielen Schülerinnen und Schülern gewählt, dass die Kontinuität des Lateinunterrichts gewahrt blieb, nunmehr seit 400 Jahren.118

 

Freilich ist Freudenstadt seit 400 Jahren stets ein dürrer Boden für das Pflänzlein Latein gewesen. Diejenigen Abiturientinnen und Abiturienten, die in der Zeit, in der ich am Kepler-Gymnasium unterrichte, Latein als Abiturfach gewählt haben, sind so wenige, dass ich mich fast an alle noch erinnern kann. Die letzte Lateinprüfung im Abitur fand an dieser Schule im Jahr 1982 statt; seither konnte und wollte sich niemand mehr dazu entschließen, sich in dieser Sprache prüfen zu lassen.

 

Denn das so genannte „Große Latinum“ ist als Voraussetzung für die meisten Studiengänge gegenstandslos geworden – und wer wird schon so verrückt sein, Klassische Philologie, Latein und Griechisch, oder Archäologie zu studieren! Welche Berufsaussichten hätte man denn da?

 

In den Bestimmungen für das „Große Latinum“ war bisher festgelegt, dass diese Qualifikation dann zuerkannt werden kann, wenn zwei Grundkurse in Klasse 12 besucht werden und der zweite mit fünf Punkten, also der Note ausreichend, bestanden wird. Der letzte solche Kurs fand im Schuljahr 1992 / 93 statt. Seither wurde wohl in Einzelfällen ein Interesse bekundet, das „Große Latinum“ zu erwerben, aber die Anzahl der Schüler, die einen solchen Kurs gewünscht hätten, war zu klein, als dass er hätte eingerichtet werden können.

 

Allerdings ist es der Fachleiterin des Faches Latein am Kepler-Gymnasium, Frau Gaby Kaupp, gelungen, eine Arbeitsgemeinschaft zu initiieren, die die Qualifikation des Großen Latinums möglich macht. Wiewohl allen Schülerinnen und Schülern, die sich darauf einlassen, klar ist, dass sie sich dabei auf eine zusätzliche Belastung einlassen, deren Ergebnis sie kaum werden „brauchen“ können, finden sich kleine Gruppen zusammen, die sich diesen Luxus leisten wollen. Im Schuljahr 2009 / 2010 wird nach dem Willen des Kultusministeriums dieser Kurs zum letzten Mal angeboten und durchgeführt.

 

Die Kurse mit Latein als zweiter Fremdsprache ab Klasse 7 laufen mit diesem Schuljahr aus. Der Unterricht der beiden ersten Jahre ist in diesem Klassen in der Regel auch recht befriedigend verlaufen, dann aber traten mit dem Einsatz der originalen Texte Schwierigkeiten auf, die nur mit regelmäßigem Training zu beheben wären. Training, Wiederholen, Lernen, Üben sind jedoch allesamt Tätigkeiten, die mit Mühe, nicht aber mit Spaß verbunden sind. Und da nach landläufiger Überzeugung alles mit Spaß verbunden sein soll, unterbleiben Vorbereitung und Wiederholung in aller Regel – schließlich gibt es innerhalb und außerhalb der Schule vieles zu tun, das ungleich wichtiger ist und dessen Sinn unmittelbar eingesehen werden kann. Dann aber stellen sich unweigerlich die Misserfolge ein, die Lücken werden so klaffend, dass nichts sie wieder füllen kann, das Fach wird zu einer lästigen Plage - und alle haben glücklich aufgeatmet, wenn die Klasse 11 bestanden war und Latein abgelegt werden konnte, vielleicht sogar mit einer zauberhaften Vier.

 

Dann allerdings steht im Abiturzeugnis ein Vermerk, der das „Latinum“ bestätigt und gleichbedeutend ist mit einer Eintrittskarte für so gut wie sämtliche Fächer und Fachbereiche jeder deutschen Universität. Denn immer noch sind Kenntnisse des Lateinischen und deren Nachweis Voraussetzung für das Studium an einer Philosophischen Fakultät und die Zahl der Studienanfänger, die plötzlich vor der Notwendigkeit stehen, sich Latein in einem Intensivkurs und in kürzester Zeit aneignen zu müssen, ist in jedem Semester groß.

 

 


  

14. Ausblick

 

400 Jahre Lateinschule Freudenstadt“ – es ist kein Thema, in dem von großen Erfolgen und Triumphen berichtet werden kann. Vielmehr sind die Verhältnisse an der lateinischen Schule stets ein Spiegel der Verhältnisse in der Stadt gewesen. Wir haben gesehen, mit welcher Mühe und mit welchen Frustrationen in alter Zeit die Präceptoren der Lateinschule ihre Unterrichtsarbeit leisten mussten und wie sie um Anerkennung zu kämpfen hatten.

 

Auch heute wird immer wieder aufs Neue die Frage gestellt: „Was bringt mir eigentlich Latein?“ und Latein ist an dieser Schule – und sicherlich auch anderswo, wenn die vielerlei Erklärungs- und Informationsseiten diverser Schulen im Internet richtig verstanden werden – heute das einzige Fach, das immer wieder in der Situation steckt, sich rechtfertigen zu sollen. Denn offensichtlich fällt es Jahr für Jahr schwer, zu einem Schulfach ja zu sagen, dessen Anwendbarkeit nicht auf der Hand liegt, das Mühe macht und dessen Erträge erst spät zu ernten sind.

 

Aber trotz aller Widrigkeiten haben Kinder in Freudenstadt seit 400 Jahren Latein gelernt. Auch jetzt tun sie es – immer noch und immer wieder –, und wenn der politische Wille mit dem Fach Latein nicht die gleichen Absichten verwirklichen wird, wie es mit dem Fach Griechisch schon seit langem geschehen ist, dann wird noch geraume Zeit diese Basissprache des westlichen Europa ihren Platz an den Schulen behalten.

 

Wir alle wissen auch, dass im neuen, großen Europa Arbeitsplätze nicht mehr nur am Heimatort oder in dessen Nähe angestrebt werden können, dass Arbeit denen zufallen wird, die auf Grund ihrer Sprachkompetenz Städte und Länder wechseln können. Für einen jungen Menschen wird daher die solide Kenntnis einer Basissprache, die es möglich macht, anwendbare Sprachen rasch zu erlernen, unverzichtbar. Im östlichen, neu dazu gekommenen Europa ist diese Basissprache eine slawische Sprache, im westlichen Europa das Lateinische.

 

Die Gemeinschaft von 25 Staaten trägt den Namen einer Gestalt der europäisch-griechischen Tradition. Diese Tradition darf jedoch nicht nach rückwärts gewandt verstanden werden, sondern als Fundament, auf dem die Generationen vor uns gestanden sind, auf dem wir selber stehen und auf dem auch kommende Generationen stehen werden.

 

Dafür öffnet sich eine ganz neue Perspektive: Im März 2004 beschloss die Gesamtlehrerkonferenz des Kepler-Gymnasiums Freudenstadt, das so genannte „Biberacher Modell“120 an der Schule einzuführen, und die übrigen Gremien der Schule übernahmen dieses Votum. Nach diesem Modell werden im achtjährigen Gymnasium in Klasse 5 zwei Fremdsprachen angeboten. Die erste, Englisch, wird seit Beginn dieses Schuljahres 2004 / 2005 mit vier Stunden unterrichtet, die zweite Fremdsprache, Latein, wird mit drei Stunden erteilt und zählt zunächst noch nicht für die Versetzung, erst ab Klasse 6. Knapp 120 Mädchen und Buben wurden für vier Klassen angemeldet, und davon werden nun knapp 50 nach dem „Biberacher Modell“ unterrichtet. Diese Kinder befinden sich nun (im Schuljahr 2009 / 2010) in der zehnten Klasse und werden, wenn alles gut geht, ihre Latein-Karriere mit dem Latinum abschließen. Daneben haben sie am Kepler-Gymnasium die Möglichkeit bekommen, in Klasse 8 zwischen Französisch und Spanisch als dritter Fremdsprache zu wählen.

 

Im Sommer 2004 befand im Stadthaus auf den Freudenstädter Marktplatz die eindrucksvolle Ausstellung über den Wiederaufbau der Stadt vor 50 Jahren. In dieser Ausstellung waren auch verschiedenste Pläne zu sehen, wie die Planer sich damals den Wiederaufbau des zerstörten Freudenstadt vorgestellt haben. Ein Plan aber, und es ist dieser, der zuletzt und vorbildhaft das Bild unserer Stadt, wie wir sie alle kennen, geprägt hat, ragt heraus, der Plan von Ludwig Schweizer. 121 Denn er ist der einzige, der auch dem Ort hinter der Kirche sein altes Gesicht belassen hat. Und so zitiert das Wohnhaus, das im Winkel von Schulstraße und Schickhardt-Straße errichtet wurde, das ehemalige Gebäude der Lateinschule122.

 

Und so wie wir immer noch und wieder im Stadtbild die Kontinuität während 400 Jahren wahrnehmen können, müssen wir auch die Kontinuität im Lehren und Lernen festhalten.

 

Wir müssen feststellen, dass zu allen Zeiten der Satz aus der Großen Württembergischen Kirchenordnung von 1559 gegolten hat und weiterhin gilt:

 

 

 

 

 

Dan recht schuol halten erfordert / das der Præceptor unverdrossen sey.

 

 

 


 

 

15. Literaturverzeichnis

 

 

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Griechische und römische Kriegsalterthümer für den Gebrauch in Gelehrtenschulen zusammengestellt von Hermann Rheinhard, Professor am Königl. Gymnasium in Stuttgart. [ ... ] Stuttgart [1859]

 

Von Gottes gnaden unser Christoffs Hertzogen zu Würtemberg und zuo Teckh / Graven zuo Mümpelgart /etc. Summarischer und einfältiger Begriff / wie es mit der Lehre und Ceremonien in den Kirchen unsers Fürstenthumbs / auch derselben Kirchen anhangenden Sachen und Verrichtungen / bißher geuebt unnd gebraucht / auch fürohin mit verleihung Goettlicher gnaden gehalten und volzogen werden solle. Getruckt zuo Tüwingen / Im jar 1559. Faksimile-Neudruck Stuttgart 1983

 

 

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2 „Keplerschule Freudenstadt“. Festschrift der Schwarzwald-Zeitung „Der Grenzer“ Freudenstadt 1930

3 Hg. von der Stadt Freudenstadt zur Einweihung der „Keplerschule Freudenstadt“ am 21. Juli 1979, Freudenstadt 1979.

4 Gerhard Hertel, Freudenstädter Latein; in: Freudenstädter Heimatblätter. Band XXXV, Nr. 11, November 2004

5 Auch die Schule ist nach Ansicht von Gerhard Hertel schon seit 1601 im Bau. – Vgl. dazu Gerhard Hertel, Aus den Gründungstagen Freudenstadts; in: Herzog Friedrichs Freudenstadt im ersten Jahrhundert seiner Geschichte. Aus „Freudenstädter Heimatblätter“ 1949 – 1994; hg. Heimat- und Museumsverein für Stadt und Kreis Freudenstadt e. V. Freudenstadt 1987 (21997). Seite 275.

6 Vgl. dazu: Sönke Lorenz, Freudenstadt; in: Heinrich Schickhardt. Baumeister der Renaissance; hg. v. Sönke Lorenz und Wilfried Setzler, Leinfelden – Echterdingen 1999, Seite 147.

7 Vgl. dazu auch: Dieter Hoffmann-Axthelm, Die Identität der Stadt; in: Stadtgestalt und Heimatgefühl. Der Wiederaufbau von Freudenstadt 1945 – 1954. Analysen, Vergleich und Dokumente. Hg. von Hans-Günther Burkhardt u. a., Hamburg 1988. Seite 107 ff.: „Der Techniker Schickhardt hielt das Terrain für ungeeignet und den endgültigen Stadtplan für unpraktisch. Da er aber kein moderner Künstler war, beugte er sich dem Befehl des Fürsten, der auch keineswegs willkürlich war. [ ... ] Jedenfalls dürfte Schickhardt [ ... ] stolz gewesen sein auf die Fruchtbarkeit, die sein Schema mit den geschlossenen Übereckbauten beim Entwurf der Stadtkrone bewies. Was die sonstigen Unregelmäßigkeiten angeht, kann man sicher sein, dass sie nicht geplant sind, sondern passierten. Der Planer ließ abstecken, das war sein Werk, die Gebäude bauten die Maurer.“ (bes. Seite 109)

8 Der Plan ist beigelegt der „Beschreibung des Oberamts Freudenstadt. Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Stuttgart 1858.“

9 Beschreibung des Oberamts Freudenstadt. Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Stuttgart 1858, Seite135 f.

10 Georg Heid, Geschichte von Freudenstadt, 1852, Seite 60.

11 Beschreibung des Oberamts Freudenstadt. Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Stuttgart 1858, Seite151: „Der erste Präceptor war Joh. Matthiä von 1604 – 1609.

12 Vgl. dazu Gerhard Hertel, Freudenstadt zu Hartranfts Zeiten mit Bildern des Stadtarchivs Freudenstadt aus den Jahren 1850 – 1950. Horb 31987, Seite 19; siehe auch Seite 29 und 40. – Berlin war damals doppelt so groß. Vgl. Gerhard Hertel, Kurzer Abriß der Entstehungsgeschichte Freudenstadts – 1597 bis 1945; in: Stadtgestalt und Heimatgefühl. Der Wiederaufbau von Freudenstadt 1945 – 1954. Analysen, Vergleich und Dokumente. Hg. von Hans-Günther Burkhardt u. a., Hamburg 1988. Seite 195.

13 Das Bild ist entnommen Gerhard Hertel (Hg.): Freudenstadt in alten Ansichtskarten. Frankfurt 1979, Seite 49

14 Das Schulhaus wurde von Heinrich Schickhardt auf dem sog. „Leinwandplan“ sogar mit Inneneinteilung eingezeichnet. – Dieser Plan ist in Umzeichnung wiedergegeben in: Hans Rommel, Zur Gründung Freudenstadts; in: Herzog Friedrichs Freudenstadt im ersten Jahrhundert seiner Geschichte. Aus „Freudenstädter Heimatblätter“ 1949 – 1994; hg. Heimat- und Museumsverein für Stadt und Kreis Freudenstadt e. V. Freudenstadt 1987 (21997). Seite 8. – Ebenso in: Die Gründung Freudenstadts inmitten europäischer Geschichte. 400 Jahre Freudenstadt. Freudenstädter Beiträge Nr. 12 / 2003, hg. v. Heimat- und Museumsverein für Stadt und Kreis Freudenstadt, Horb 2003; dort Seite 12, Seite 73.

15 Zum Begriff der „Ordnung“ bei Heinrich Schickhardt vgl: Hanno-Walter Kruft, Städte in Utopia. Die Idealstadt vom 15. bis zum 18. Jahrhundert zwischen Staatsutopie und Wirklichkeit. München 1989. Seite 68 ff. – Ehrenfried Kluckert, Heinrich Schickhardt. Architekt und Ingenieur. Eine Monographie. Herrenberg 1992; darin bes. Seite 137 f. – Ehrenfried Kluckert, Auf dem Weg zur Idealstadt. Humanistische Stadtplanung im Südwesten Deutschlands. Stuttgart 1998. Seite 57 ff. – Zuletzt André Bouvard, Heinrich Schickhardt. Württ. Architekt und Ingenieur; in: Die Gründung Freudenstadts inmitten europäischer Geschichte. 400 Jahre Freudenstadt. Freudenstädter Beiträge Nr. 12 / 2003, hg. v. Heimat- und Museumsverein für Stadt und Kreis Freudenstadt. Horb 2003; darin bes.: Seite 74: „Das Wort „Ordnung“ kommt immer wieder vor in den Schriften des Architekten. Es ist eine Stadt, die den Bedürfnissen des Bürgertums entspricht, eine sozial nützliche Stadt.“

16 Vgl. dazu J[akob] Bitzer, Heimatbuch für den Bezirk Freudenstadt. Freudenstadt 1922, Seite 47 f.: „Man blickte also so ziemlich ans Ende der Welt, und es war etwas ganz Ungewöhnliches, auf solch rauher Höhe eine Stadt anzulegen.

Der Grundriß war quadratisch. [ ... ]Vom Marktplatz aus schnitten vier Straßen senkrecht durch die fünf Häuserzeilen und bildeten die Zu- und Ausgänge. [ ... ] Die Häuser am Markt ruhten auf runden Bögen nach oberitalienischer Weise, die von kurzen Säulen getragen waren. Festere Bögen dieser Art sollten auch an den Gebäuden errichtet werden, die den Marktplatz an den Ecken abschlossen.

Diese vier Eckgebäude – das Kaufhaus, das Rathaus, der Spital, die Kirche – waren das Eigentümlichste an dem Plan. Sie versperrten die Ecken, da sie in Form eines Winkelhakens ersonnen waren; und teilweise wurden auch in den anderen Gassen solche Hakenbauten in die Ecken gestellt – man sieht es noch heute an dem alten Pfarr- und Schulhaus hinter der Kirche, - sodaß die Stadt sehr unpraktisch für den Verkehr, aber sehr gefällig für das Auge des Herzogs, nach dem Muster italienischer und französischer Spielereien dieser Art, in Gestalt eines Mühlenspielbretts angelegt wurde.“

17 Beschreibung des Oberamts Freudenstadt. Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Stuttgart 1858, Seite 142 f.

18 DER SPIEGEL Nr. 46 vom 10. 11. 2003

19 Sebastian Brant, Das Narrenschiff. Übertragen von H. A. Junghans; hg. v. Hans-Joachim Mähl. Stuttgart 1998 (Reclam 899); hier Seite 29.

20 Erasmus von Rotterdam, Ausgewählte Schriften, Ausgabe in acht Bänden Lateinisch und Deutsch; hg. v. Werner Welzig, Band 2, Darmstadt 1975. Darin: Erasmus von Rotterdam, ΜΩΡΙΑΣ ΕΓΚΩΜΙΟΝ sive Laus Stultitiae, cap. 49.

21 Die Abbildung, die den prügelnden Schulmeister zeigt, ist ein Holzschnitt von Cassian Knaus (1831 – 1916) nach einer Zeichnung von Hans Holbein (1498 – 1543). Holbein befand sich 1515 in Basel, wo er den dortigen Schulmeister Oswald Myconius kennen lernte. Dieser bat den damals schon sehr bekannten Künstler, sein Exemplar der „Laus Stultitiae“ mit Randzeichnungen zu versehen. Erasmus hat diese Zeichnungen 1516 selber gesehen. – Erasmus von Rotterdam, Das Lob der Torheit, übersetzt von Alfred Hartmann; hg. von Emil Major, Basel – Wiesbaden o. J.

22 „Ich wende mich nun denen zu, die den Anschein der Weisheit bei den Menschen besitzen und, wie sie selber behaupten, nach dem Goldenen Zweig jagen; unter diesen nehmen die Schulmeister / Präceptoren den ersten Platz ein. Es ist dies aber in Wirklichkeit eine Sorte Menschen, wie es keine unglücklichere gäbe, keine, die mehr geschlagen wäre, keine, die in gleichem Maß von den Göttern gehasst würde – wenn nicht ich die Qualen dieses elenden Berufes durch süßen Wahnsinn mildern würde.

Nicht bloß [...] fünf schrecklichen Qualen sind diese Bedauernswerten ausgesetzt, [..] sondern sechshundert: so (sitzen) sie ewig hungrig, starrend vor Dreck in ihren Schulstuben – sagte ich: Schulstuben? – nein, eher [...] in ihren Knochenmühlen und Folterkammern inmitten der Horden von Knaben. Sie werden senil von ihren Mühen, werden taub vom Geschrei und Lärm, im Gestank und Dreck holen sie sich die Schwindsucht. Dennoch bewirkt es meine Gnade, dass sie sich wie die Krone der Menschheit vorkommen.

Über die Maßen haben sie Freude daran, wenn sie die furchtsame Kinderschar mit wüst verzerrtem Gesicht und drohendem Gebrüll einschüchtern; wenn sie mit Ruten, Stecken, Riemen die armen Kleinen grün und blau schlagen; wenn sie auf jede Weise nach Lust und Laune wüten und toben – aber dabei bloß einen Esel (im Löwenfell) nachmachen! [...]

Aber noch viel, viel begeisterter sind sie auf Grund einer unglaublichen Überzeugtheit von ihrer Gelehrsamkeit. [...] Den nackten Blödsinn trichtern sie ihren Buben ein, und trotzdem, bei Gott, [...] bekommen sie dies mit solch unvorstellbarem Hokus Pokus hin, dass sie den dummen Mütterchen und törichten Väterchen als die erscheinen, als die sie wahrgenommen werden wollen. [...]“ (Übertragung: al)

23 Zeitlos ist die Ablehnung der Schule. Ein Beispiel aus neuerer Zeit ist in William Makepeace Thackerays Roman „Barry Lyndon“ (erschienen 1856) zu finden. Der alte Redmond Barry, der auf sein Leben zurückblickt, erinnert sich an seine Schulzeit: „Das Studium der langweiligen Grammatik und Griechisch und Latein und ähnliches Zeug haßte ich von Kindesbeinen an und erklärte stets unumwunden, daß ich nichts davon wissen wolle.“ – William Makepeace Thackeray, Barry Lyndon; hg. von Hans Magnus Enzensberger, übersetzt von Otto Schmid, Frankfurt am Main 1989 (Die Andere Bibliothek Band 58), Seite 20.

24 Von Gottes gnaden unser Christoffs Hertzogen zu Würtemberg und zuo Teckh / Graven zuo Mümpelgart /etc. Summarischer und einfältiger Begriff / wie es mit der Lehre und Ceremonien in den Kirchen unsers Fürstenthumbs / auch derselben Kirchen anhangenden Sachen und Verrichtungen / bißher geuebt unnd gebraucht / auch fürohin mit verleihung Goettlicher gnaden gehalten und volzogen werden solle. Getruckt zuo Tüwingen / Im jar 1559. Faksimile-Neudruck Stuttgart 1983. Fol. cxix ff. (Zitiert im Folgenden als „Kirchenordnung“)

25 Abbildung des Titelblatts der Großen Württembergischen Kirchenordnung von 1559 aus http://www.seminaristen-online.de/urach

26 Kirchenordnung fol. cxix f.

27 Kirchenordnung fol. cxcij

28 Kirchenordnung fol. cxcij

29 Kirchenordnung fol. cxxxvi

30 Kirchenordnung fol. cxxxv verso

31 Kirchenordnung fol. cxxxvi

32 Kirchenordnung fol. cxcv

33 Siehe http://www.heinle-web.de/tax1680.htm

34 Vgl. Brockhaus‘ Konversations=Lexikon Band 13, Berlin – Wien 141898 s. v. „Quatember.“

35 Kirchenordnung fol. cxx

36 Kirchenordnung fol. cxx f.: „Zuo dem un[d] auff das sovil müglich unser armen Landschafft unnd dero Kindern / so sie zuor Schuol erzogen / die Handt gebotten und geholffen werde / haben wir auch in unsern Cloestern / doch underschidliche Schuolen verordnet / Deßgleichen von weilundt unserm Freüntlichen lieben Herrn und Vattern seligen zuo Tübingen gestifft Stipendium noch rei[ch]licher dotiern unnd begaben lassen / der ursachen damit den armen unsern Landtkindern / so zuom studiern gewidmet / gradatim geholffen / und von den Particular Schuolen die ermsten / denen jre Eltern gar nit zuohelffen / wa sie anderst der Ordination nach / qualificiert / in solliche Cloesterschuolen eingenommen / auch so sie bey den selben oder in unserm Pædagogio zuo Stuotgarten procedierten / in gedacht unser Stipendium zuofürdern weren / und also nach und nach hilff haben / jre studia jnen selbst / unnd dann der Kirchen Gottes zuo nutzen / fürstand und wolfart absovieren moegen. Als auch zuo weilen auff unser Universitet zuo Tüwingen dan[n]ocht junge Knaben / so in den Præceptis Grammaticæ, Dialecticæ unnd Rhetoricæ, nit genügsamlich fundiert / also das jnen die complier publicæ lectiones zuo schwaer / So haben wir den selben zuo guotem / auch bey gedachter unser Universitet ein Pædagogium auffrichten und ordnen / darzuo versehung thuon lassen / damit dasselbig mit Taugenlichen / Gelerten Professorn bestelt unnd versehen werde.

37 Vgl dazu: Susanne Quarthal, Geistliches und schulisches Leben; in: Planstadt – Kurstadt – Freudenstadt, Chronik einer Tourismusstadt, hg. Stadtarchiv Freudenstadt, Karlsruhe 1999, Seite 114 f.

38 „Geduldig ertragen muss man die Strafe, vor allem wenn sie gerecht ist.“ (al)

39 Vgl. dazu „Correctio pueris necessaria“ in: Lateinische Schülergespräche der Humanisten, ratio 31, Bamberg 1992, Seite 50. („Was du erleidest zu Recht, bedenke geduldig zu tragen.“ al)

40 Vgl. dazu „Bibliotheca et librorum usus“ in: Lateinische Schülergespräche der Humanisten, ratio 31, Bamberg 1992, Seite 39. („weil sie in unserer Klasse nicht durchgenommen werden.“ al)

41Ich, wenn wir eine Pause haben, lese sie zwischendurch, damit ich immer etwas Neues dazulerne, vor allem in der lateinischen Sprache und im ehrenhaften Lebenswandel.“ al

42 Die folgende Abbildung ist entnommen: Lateinische Schülergespräche der Humanisten, ratio 31, Bamberg 1992, Seite 31.

43 Kirchenordnung fol. cxxij verso.

44 Kirchenordnung fol cxxiiij

45 Kirchenordnung fol. cxxvi: „Zuvor unnd ehe die Knaben den rechten brauch der Grammatic versteen / bedunckt sie / dieselbig zuo schwaer sein / und werden jr feind / ehe sie recht darein kommen. Damit nun sie lust und liebe dazuo gewinnen / und nit davon abgeschreckt / auch einerley weiß zuo leren in den Schuolen gehalten wird / Soll jnen der Præceptor zuom eingang den rechten Brauch der Etymologiæ / auff das kindest / vermoeg unser den Schuolmeistern derwegen sonderer gegebner Instruction / anzeigen / und sich keiner muehe und arbeit darüber dauren lassen. Dan[n] recht Schuol halten erfordert / das der Præceptor unverdrossen sey.“

46 Terenz, Eunuchus

47 Kirchenordnung fol. cxxviii

48 Kirchenordnung fol. cxxxi verso

49 Vgl. zum Folgenden: Martin Kintzinger, Wissen wird Macht. Bildung im Mittelalter, Ostfildern - Darmstadt 2003, Seite 135

50 Vgl. dazu auch den Stundenplan der niederen Klosterschule Alpirsbach, der erweitert ist um eine Frühstunde nach der Morgenandacht und noch vor dem Frühstück von 6 – 7 Uhr. Abgedruckt in: Mönche und Scholaren. Funde aus 900 Jahren Kloster Alpirsbach; hg. von Oberfinanzdirektion Karlsruhe. Staatliche Schlösser und Gärten. Bearbeitet von Anja Stangl und Frank Thomas Lang. Karlsruhe 1995. Seite 39

51 Vgl. dazu „Deductio ad ludum“ in: Lateinische Schülergespräche der Humanisten, ratio 31, Bamberg 1992, Seite 23. („Dieses mein Söhnchen bringe ich zu Euch, damit Ihr ihn aus einem Vieh zu einem Menschen machet.“ al)

52 Entnommen aus: Lateinische Schülergespräche der Humanisten, ratio 31, Bamberg 1992, Seite 53.

53 Kirchenordnung fol. cxxxvi verso

54 Vgl. dazu Gerhard Keitel, Johann Valentin Andreae; in: Herrenberg und seine Lateinschule. Zur Geschichte von Stadt und Gäu; hg. von Walter Gerblich. Herrenberg 1962, Seite 180 ff.

55 Vgl. dazu u. a. Bernhard Sandherr, Freudenstadt –eine Renaissance-Gründung; in: Planstadt – Kurstadt – Freudenstadt, Chronik einer Tourismusstadt, hg. Stadtarchiv Freudenstadt, Karlsruhe 1999, bes. Seite 37. – Siehe auch Oliver Klare, Freudenstadt. Berlin 1998 (www.archinoah.tu-berlin.de)

56 Abbildung aus Vigilio Vercelloni, Europäische Stadtutopien, München 1994, Tafel 84

57 Johann Valentin Andreae, Christianopolis, Stuttgart (Reclam) 1975, Seite 76.

58 Johann Valentin Andreae, Christianopolis, Stuttgart (Reclam) 1975, Seite 77.

59 Johann Valentin Andreae, Christianopolis, Stuttgart (Reclam) 1975, Seite 78.

60 Johann Valentin Andreae, Christianopolis, Stuttgart (Reclam) 1975, Seite 79.

61 Vgl. dazu: Alexander Köhrer, Johann Valentin Andreae in Bebenhausen (www.evangelische-kirche-bebenhausen.de)

62 Georg Heid, Geschichte von Freudenstadt, 1852, Seite 61.

63 Vgl. oben Seite 8 f.

64 Georg Heid, Geschichte von Freudenstadt, 1852, Seite 61.

65 Siehe auch Walter Krull, Freudenstadt. Geschichte und Geschichtchen; hg. Städt. Kurverwaltung Freudenstadt. Freudenstadt 1975. – Darin ab Seite 66 die Zeittafel. – Vgl. auch Jakob Bitzer, Freudenstadt in alter und neuer Zeit; in: Ein Heimatgruß ins Feld aus Stadt und Kreis Freudenstadt. Im Auftrag des Kreisleiters zusammengestellt von Dr. H. Rommel. Freudenstadt 1940. Seite 36

66 Zum Folgenden vgl.: Dagmar Kraus, Freudenstadt und Christophstal 1599 – 1632; in: Planstadt – Kurstadt – Freudenstadt, Chronik einer Tourismusstadt, hg. Stadtarchiv Freudenstadt, Karlsruhe 1999, Seite 71 ff.

67 Susanne Quarthal, Stadt und Stadtverwaltung im 17. und 18. Jahrhundert; in: Planstadt – Kurstadt – Freudenstadt, Chronik einer Tourismusstadt, hg. Stadtarchiv Freudenstadt, Karlsruhe 1999, Seite 87.

68 Dagmar Kraus, Freudenstadt und Christophstal 1599 – 1632; in: Planstadt – Kurstadt – Freudenstadt, Chronik einer Tourismusstadt, hg. Stadtarchiv Freudenstadt, Karlsruhe 1999, Seite 72.

69 Georg Heid, Geschichte von Freudenstadt, 1852, Seite 121 ff.

70 ebenda, Seite 123

71 Susanne Quarthal, Geistliches und schulisches Leben in Freudenstadt; in: Planstadt – Kurstadt – Freudenstadt, Chronik einer Tourismusstadt, hg. Stadtarchiv Freudenstadt, Karlsruhe 1999, Seite 114.

72 Georg Heid, Geschichte von Freudenstadt, 1852, Seite 61.

73 Vgl. dazu: Susanne Quarthal, Geistliches und schulisches Leben in Freudenstadt; in: Planstadt – Kurstadt – Freudenstadt, Chronik einer Tourismusstadt, hg. Stadtarchiv Freudenstadt, Karlsruhe 1999, Seite 114 f.

74 Vgl. dazu Martin Kintzinger, Wissen ist Macht. Bildung im Mittelalter, Ostfildern – Darmstadt 2003, Seite 138 (zu städtischen Lateinschulen): „Gewöhnlich scheute man vor der kostenintensiven Anstellung eines gelehrten Magister artium zurück [ ... ]. Man nahm statt dessen, wen man für geringen Sold bekommen konnte, einen Baccalarius, Licentiaten oder auch ungraduierten Studienabsolventen, vielfach schlecht qualifizierte Personen, die das ihnen übertragene Amt nicht wirklich auszufüllen vermochten. Solche Personen trachteten letztlich danach, ihre Schulstelle baldmöglichst wieder zu verlassen, um eine besser dotierte geistliche Pfründe zu erhalten."

75 Susanne Quarthal, Geistliches und schulisches Leben in Freudenstadt; in: Planstadt – Kurstadt – Freudenstadt, Chronik einer Tourismusstadt, hg. Stadtarchiv Freudenstadt, Karlsruhe 1999, Seite 114 f.

 

76 ebenda

77 P. Virgilii Maronis Bucolica, Georgica, et Aeneidos Libri XII. Oder Hirten= Wirthschaffts= und Helden=Gedichte Mit Deutschen Anmerckungen [ ... ] Nebst einer Vorrede samt dem Leben und Schrifften Virgilii, wie auch einem Lateinischen und Deutschen Real- und Verbal-Register. Mit Koenigl. Poln. und Churfl. Saechß. Allergn. Privilegio. Halle im Magdeburgischen, Zu finden in der Rengerischen Buchhandlung, 1748.

78 Vorrede der Vergil-Ausgabe (1748) Seite 5 f.

79 ebenda Seite 7

80 Griechische und römische Kriegsalterthümer für den Gebrauch in Gelehrtenschulen zusammengestellt von Hermann Rheinhard, Professor am Königl. Gymnasium in Stuttgart. [ ... ] Stuttgart [1859]

81 Vgl. dazu: „Die Arbeit mit den Stundenblättern garantiert eine zeitsparende Vorbereitung.“ – „Unterrichtsstunden zeitsparend und individuell gestalten.“ Klett-Katalog Deutsch 2004, Seite 62 und 63.

82 Richard Fener, Aus den Gründungstagen der Realschule Freudenstadt; in: Freudenstädter Heimatblätter, hg. im Auftrag des Vereins für Heimatkunde in Freudenstadt von Hans Rommel. 2. Jahrgang, Freudenstadt 1937. Seite 81 – 98.

83 Fener Seite 81

84 Fener Seite 83

85 Fener Seite 83

86 Fener Seite 83

87 Fener Seite 82

88 Siehe auch Georg Heid, Geschichte von Freudenstadt, Freudenstadt 1852, Seite 61.

89 Zitiert bei Fener Seite 86

90 Zitiert bei Fener Seite 86

91 Zitiert bei Fener Seite 90

92 Georg Heid, Geschichte von Freudenstadt, Freudenstadt 1852, Seite 60: „Die lateinische Schule hat nur Eine Klasse und 10 – 14jährige Schüler. – ebenda Seite 62: Die Realschule besteht aus Einer Klasse 10 – 14jähriger Schüler.“

93 Dr. Schott, Die höheren Schulen; in: Württemberg unter der Regierung König Wilhelms II, hg. v. Dr. V. Bruns, Stuttgart 1916, Seite 479.

94 Dr. Schott, Die höheren Schulen; in: Württemberg unter der Regierung König Wilhelms II, hg. v. Dr. V. Bruns, Stuttgart 1916, Seite 464.

95 Dr. Schott, Die höheren Schulen; in: Württemberg unter der Regierung König Wilhelms II, hg. v. Dr. V. Bruns, Stuttgart 1916, Seite 464.

96 Dr. Schott, Die höheren Schulen; in: Württemberg unter der Regierung König Wilhelms II, hg. v. Dr. V. Bruns, Stuttgart 1916, Seite 469.

97 Dieser Überblick folgt den Ausführungen von Hans Rommel: Die Lateinschule Freudenstadt in ihren letzten Jahrzehnten; in: Freudenstädter Heimatblätter 19. Juli 1963

98 Das Porträt August Kübels (1864 – 1922) ist entnommen aus: Der Neubau des Realgymnasiums und der Oberrealschule in Freudenstadt. Festschrift der Schwarzwald-Zeitung „Der Grenzer“, Freudenstadt 1930. Seite 35. – Die Widmung seiner Persönlichkeit stammt von Gerhard Herrlinger, dem späteren Schulleiter des Kepler-Gymnasiums, der am 17. Januar 2004 im Alter von 98 Jahren in Tübingen verstarb. Auch Herrlinger steht in der Folge der lateinischen Präceptoren, seine Dissertation befasst sich mit antiker Lyrik und behandelt das Thema „Totenklage um Tiere in der antiken Dichtung“ (Tübinger Beiträge zur Altertumswissenschaft 8 / 1930)

 

99 Dr. D. Martin Haug, Die Erinnerungen eines alten Lateinschülers; in: Keplerschule Freudenstadt; hg.: Stadt Freudenstadt, Freudenstadt 1979, Seite 16.

100 Jakob Bitzer wurde 1913 im Alter von 59 Jahren pensioniert. Er lebte weiterhin in Freudenstadt und machte sich um die Heimatforschung verdient. Im Jahre 1922 erschien, auf billiges Papier gedruckt, sein „Heimatbuch für den Bezirk Freudenstadt.“ Der Kosten wegen mussten in dieser Veröffentlichung Abhandlungen über die Orte und Dörfer des Kreises weggelassen werden. – Ein Jahr später wurde Deutschland von der Inflation erschüttert.

101 Jakob Bitzer, Schule und Lehrer in früheren Zeiten. Das alte Knabenschulgebäude; in: Der Neubau des Realgymnasiums und der Oberrealschule in Freudenstadt. Festschrift der Schwarzwald-Zeitung „Der Grenzer“, Freudenstadt 1930. Seite 25 f.

102 Diese Zeichnung von Otto Gukelberger ist neben Zeichnungen anderer Schulstätten Freudenstadts enthalten in: Der Neubau des Realgymnasiums und der Oberrealschule in Freudenstadt. Festschrift der Schwarzwald-Zeitung „Der Grenzer“, Freudenstadt 1930. Seite 25.

103 Die Ansichtskarte von ca. 1912 zeigt den Marktplatz von Freudenstadt mit seinen Anlagen (Tennisplätze) und der Bebauung. An der Kreuzung steht das sog. Wachthaus, in dem vor dem Neubau (links der Straße) auch das Postamt untergebracht war. Vor allem aber war das Wachthaus behelfsmäßige (oder auch zweckmäßige) Behausung einer Lateinklasse. ( Sammlung al.)

104 Heid, Georg, Geschichte von Freudenstadt, 1852, Seite 22: Das Oberamtsgericht. Es hat auch die Form eines Winkelhackens und ist durchaus von Stein erbaut. Früher war das Gebäude zum Kaufhaus bestimmt, enthielt vier Kästen und zwei Herrenkeller und wurde vom Herrschaftsküfer bewohnt. Später wurde es der Sitz des Forstamtes und in neuerer Zeit Sitz des Oberamts=Gerichts. Doch wird es diese Bestimmung in nächster Zeit abermals verlieren, da das Oberamts=Gericht, weil dieses Gebäude sehr kalt und feucht ist, eine andere Wohnung erhalten soll. – Für Schulkinder war es also noch lange gut genug!!

105 Höhenluftkurort Freudenstadt im Württb. Schwarzwald. Bearbeitet von Stadtschultheiss Hartranft. Zweite (Jubiläums-) Auflage. Freudenstadt 1899, Seite 26: Das mit kolossalen Strebepfeilern versehene alte Kaufhaus [ ... ](früher Forsthaus, Oberamt, Oberamtsgericht) ist zur Zeit Wohnung und Schule des Oberreallehrers und soll demnächst für die neue 6klassige Realanstalt umgebaut werden.

106 Dieses Gebäude existiert heute nicht mehr. Es hat sich auf dem Areal befunden, auf dem die Kepler-Oberschule gebaut wurde, also unterhalb der heutigen Musbacher Straße und noch vor der damals noch nicht existenten Ringstraße. 1930, als die neue Keplerschule eingeweiht wurde, war das Anwesen zu einem Autohaus für Opel-Fahrzeuge umgebaut worden. Dieses Autohaus Hornberger inserierte neben vielen anderen Firmen in der Einweihungsfestschrift: Der Neubau des Realgymnasiums und der Oberrealschule in Freudenstadt. Festschrift der Schwarzwald-Zeitung „Der Grenzer“. Freudenstadt 1930. Seite 68. - Heute steht auf diesem Gelände das Hauptgebäude der Kreissparkasse.

107 Gunhild Appuhn, Freudenstädter Schulerlebnisse vor 50 Jahren; in: Freudenstädter Heimatblätter vom 19. Juli 1963

108 Eine Zeichnung von Karl Biese ist abgedruckt in: Manfred Eimer, Aus Alt=Freudenstadt. Freudenstadt 1922; dort Tafel zwischen Seite 14 und 15. – Von diesem Künstler stammt auch der Buchumschlag des Heimatbuches von Jakob Bitzer (Freudenstadt 1922). - Weitere Zeichnungen von ihm sind aufgenommen in das Bändchen: Ein Heimatgruß ins Feld aus Stadt und Kreis Freudenstadt; hg. von Hans Rommel, Freudenstadt 1940; dort auf den Seiten 29, 39, 94.

109 Vgl. dazu Dr. Schott, Die höheren Schulen; in: Württemberg unter der Regierung König Wilhelms II, hg. v. Dr. V. Bruns, Stuttgart 1916, Seite 477 f.: „Württemberg ist wie Baden (aber im Gegensatz zu Preußen) ein Land der „Koedukation“, d. h. der gemeinsamen Erziehung beider Geschlechter auch auf höheren Schulen; vor allem in kleineren Orten, die keine höhere Mädchenschule haben, ist die Möglichkeit, die Töchter in die höhere Knabenschule zu schicken, eine vielen Eltern hochwillkommene Gelegenheit, auf diesem Wege allen ihren Kindern eine tiefergehende Bildung zu vermitteln. Während am 1. Januar 1905 (weiter zurück reichen die Zusammenstellungen nicht) die eine höhere Knabenschule besuchenden Mädchen nur 1,02% der ganzen Schülerschaft bildeten, ist ihr Anteil am 1. Januar 1916 schon auf 5,21% gestiegen.“

110 Der Stadtplan ist enthalten in: Höhenluftkurort Freudenstadt im Württb. Schwarzwald. Bearbeitet von Stadtschultheiss Hartranft. Zweite (Jubiläums-) Auflage. Freudenstadt 1899.

111 Beschreibung des Oberamts Freudenstadt. Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Stuttgart 1858. Seite138 ff., bes. 142 f: Das neue S c h u l h a u s, im Jahr 1829 erkauft und neu eingerichtet, in der Nähe der südwestlichen Ecke des Marktplatzes, [ ... ] enthält neben den Schulgelassen für die Mädchen auch die Kleinkinderschule. – Auf dem Plan die Nummer 19.

112 Höhenluftkurort Freudenstadt im Württb. Schwarzwald. Bearbeitet von Stadtschultheiss Hartranft. Zweite (Jubiläums-) Auflage. Freudenstadt 1899. - Dort beschreibt Alfred Hartranft unter dem Titel „Rundgang durch Freudenstadt“ voller Stolz die neuen Schulgebäude: „Schon beim Austritt aus dem Bahnhof fällt von der obersten Zufahrtsstrasse her in gerader Richtung ein monumentales Gebäude ins Auge, es ist dies das vom Staate, welcher die Schul- und Kirchenbaulast in Freudenstadt hat, erbaute neue Knabenvolkschulgebäude (mit dem weiter oben sich anschliessenden neuen Mädchenschulgebäude). – Seite 23

113 Die Ansichtskarte aus Cramers Kunstanstalt Dortmund zeigt das Alte Kepler-Gymnasium vom Schulhof her (ca. 1965). Es ist die sich nach Osten öffnende Seite, in der sich die Klassenräume befanden. (Sammlung al.)

114 Das Foto (al) zeigt das Gebäude des „Alten Kepler“ von der Bahnhofstraße aus. Es steht im Jahr 1982 bereits leer und ist für den Abbruch vorgesehen. Die Schrift über dem Eingang ist schon entfernt.

115 Siehe die Pläne in: Der Neubau des Realgymnasiums und der Oberrealschule in Freudenstadt. Festschrift der Schwarzwald-Zeitung „Der Grenzer“. Freudenstadt 1930. Seite 8 und Seite 10

 

116 Dazu erschien die Festschrift Keplerschule Freudenstadt, hg. Stadt Freudenstadt. Freudenstadt 1979. – Am 24. Juli 2004 wurde in einem Festakt im Foyer der Kepler-Schule das 25-jährige Jubiläum begangen. Siehe dazu Schwarzwälder Bote („Geld, Humor und Toleranz. Wünsche beim Jubiläum der Kepler-Schule“) und SÜDWEST PRESSE („Heiter und gelassen bleiben. Kepler-Schule feierte 25 Jahre Bestehen und gedenkt alter Herzog-Widmung“) vom 26. Juli 2004

117 Aufnahme al.

118 Seit dem Schuljahr 2003 / 04 besteht im neunjährigen Gymnasialzug auch die Möglichkeit, Latein in Klasse 7 zu wählen, in Klasse 9 jedoch den naturwissenschaftlichen Zug – ohne Französisch – zu belegen.

119 Die Karikatur von Horst Haizinger erschien am 30. April 2004 in der SÜDWEST PRESSE anläßlich des Beitritts der 10 neuen Staaten zur Europäischen Gemeinschaft. - Seit Januar 2006 sind es mit Rumänien und Bulgarien sogar 27 Staaten geworden.

120 Das „Biberacher Modell“ wurde am Wieland-Gymnasium in Biberach erstmals erprobt. Das Wieland-Gymnasium ist ein altsprachliches Gymnasium mit Latein als erster Fremdsprache. Hier wurde nun der Versuch unternommen, in der 5. Klasse parallel zu Latein die moderne Fremdsprache Englisch zu unterrichten. Latein musste von ursprünglich 5 Wochenstunden eine Stunde abgeben, Musik wurde um eine Stunde gekürzt. Damit hatten die Kinder, die sich auf zwei Fremdsprachen einließen, eine Wochenstunde mehr.

Das Kepler-Gymnasium Freudenstadt geht nun den umgekehrten Weg: Zu der ersten Fremdsprache Englisch, die nun 4-stündig unterrichtet wird, tritt das neue 3-stündige Fach Latein hinzu. – Vgl. dazu etwa die Informationen zum „Biberacher Modell“ auf der Homepage des Albertus-Magnus-Gymnasiums Ettlingen unter www.schule.inka.de

121 Siehe dazu: Stadtgestalt und Heimatgefühl. Der Wiederaufbau von Freudenstadt 1945 – 1954. Analysen, Vergleich und Dokumente. Hg. von Hans-Günther Burkhardt u. a. Hamburg 1988

 

122 Aufnahme al.